Hallo Danny, das Problem bei der Nachrüstung einer Kugelkopf-Anhängerkupplung (AHK) an einem IFA LKW W50 ist ein klassisches Szenario für W50 Besitzer. Da der W50 ursprünglich für ein Haken oder -Maulkupplungssystem (BK63) ausgelegt ist, gibt es für den PKW-Kugelbetrieb (PKW-Anhänger) keine "Plug-and-Play"-Lösung von der Stange, die direkt alle modernen Anforderungen erfüllt.
Zu DDR Zeiten gab es keine standartisierte Kugelkopfkupplung aus einem Herstellungsbetrieb. Sämtliche mir bekannte angebaute Flanschkupplungen sind entweder modifizierte AHK von Westfalia oder Raer, oder komplette Eigenbauten mit Einzelabnahme. Um beim TÜV keine Probleme zu bekommen, ist der Weg über eine zugelassene Flanschkugel die einzig praktikable Lösung. Hier sind die Details, wie das technisch und rechtlich angegangen werden kann:
- Die gesetzliche Anforderung, dass die Kugelmitte bei zulässigem Gesamtgewicht zwischen 350 und 420 mm über dem Boden liegen muss, ist bei einem LKW-Fahrgestell wie dem W50 aufgrund der großen Rad- und Rahmenhöhe ohne Modifikation kaum zu erreichen.
- Die Lösung: Eine Flanschkugel oder Kugelkopfkupplung (mit e-Prüfzeichen) und eine Adapterplatte. Bekommt man meist für 60 - 130 Euro im Onlinehandel mit Prüfzeichen.
- Adapterplatten: Es gibt für Flanschkugeln (die meist ein standardisiertes Lochbild von 90x56 mm oder 83x56 mm haben) spezielle Adapterplatten, die nach unten versetzt sind ("tiefergelegte" Kugelböcke). Diese Platten haben oft ein eigenes Gutachten oder sind im Rahmen einer Einzelabnahme (§ 21 StVZO) gut zu prüfen.
- E-Nummer ist Pflicht: Kaufen Sie eine Flanschkugel mit E-Prüfzeichen (e-Kennzeichnung). Diese Teile sind bauteilgeprüft und müssen nicht extra in die Papiere eingetragen werden, sofern sie an einem geeigneten, stabilen Bock verbaut sind.
- Der Anbau: Der kritische Punkt ist der Kugelbock (Halterung). Da es für den W50 keine universelle ABE-AHK gibt, muss der Halter, an den die Flanschkugel geschraubt wird, vom Prüfer abgesegnet werden.
- Tipp: Suche Dir vorab einen Ingenieur bei einer DEKRA oder TÜV-Station, der auf Oldtimer oder Nutzfahrzeuge spezialisiert ist. Besprich mit ihm die Konstruktion des Halters. Wenn der Prüfer das Material (Stahlgüte) und die Schweißnähte abnimmt, ist der Rest (die Flanschkugel mit E-Nummer) formal unproblematisch.
- Such Dir in der Region nach Firmen, die Nutzfahrzeug-Aufbauten oder landwirtschaftliche Anhänger herstellen. Diese Firmen haben oft die Berechtigung, Halterungen zu schweißen, die der TÜV dann problemlos abnimmt.