IFA LKW H6 - Hydrauliklenkung - Räder zittern beim Lenken

  • Hallo Freunde des IFA H6,


    Bin neu hier und frage für einen Freund den ich unterstütze.

    Die nachgerüstetet Hydrauliklenkung U10/0 - produziert in Ronneburg (siehe Bilder) - macht nicht was sie soll. D.h. bei Lenkeinschlag zittern die Räder unnormal 1-2 cm hin und her während man am Lenkrad dreht.

    Wir können über die Hydraulikeinheit im Web nichts finden, keine Daten, keine Einstellvorschrift ect.

    Hat irgend jemand für dieses Fehlerbild eine konkrete Lösung, bzw. Einstellunterlagen?

    Wir sind ziemlich sicher, dass alle Anschlüsse stimmen und die Hydraulikpumpe bestens funktioniert. Die Lösung liegt mit hoher Sicherheit an der Einstellung des Teils U10/0 - da durch probieren an der Einstellverschraubung es mal mehr oder weniger besser wird.

    Würden uns freuen, wenn das mit eurer Hilfe gelöst werden könnte.

    Mit freundlichen Grüßen

    Richard


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  • Hallo Richard,

    willkommen in der Runde! Das Problem, das du beschreibst – ein starkes Zittern, Flattern oder Aufschwingen der Räder während der Lenkbewegung –, ist ein klassisches Phänomen bei hydraulischen Lenkhilfen (oft als Servolenkung oder hydrostatische Lenkung nachgerüstet).

    Bei der U10/0 handelt es sich um eine hydraulische Lenkhilfe aus dem ehemaligen VEB Kombinat Orsta Hydraulik (Produktionswerk Ronneburg). Diese Aggregate kombinieren mechanische Ventilelemente direkt mit der Rückmeldung der Achse.

    Hier ist die technische Ursache für das Zittern und der Weg zur Lösung:

    Die Ursache: Der Regelkreis schwingt sich auf

    Das Flattern um 1–2 cm ist kein Defekt der Pumpe, sondern ein hydraulisches Aufschwingen (Reglerschwingung). Wenn man am Lenkrad dreht, öffnet ein Steuerschieber im Inneren der U10/0 den Ölfluss zum Arbeitszylinder. Sobald sich die Räder bewegen, muss das System die Zufuhr exakt im richtigen Moment wieder drosseln (Rückmeldung).

    Wenn die Einstellverschraubung (die Zentrierung oder Federvorspannung des Steuerschiebers) nicht stimmt, passiert Folgendes:

    1. Das Ventil öffnet zu weit oder zu schnell.
    2. Der Zylinder schießt über das Ziel hinaus.
    3. Das System erkennt den Fehler, steuert sofort extrem gegen.
    4. Der Zylinder schießt in die andere Richtung über. Ergebnis: Die Räder vibrieren/zittern im Takt des hydraulischen Druckwechsels hin und her.

    Lösungsansatz & Einstellanleitung

    Da originale Orsta-Unterlagen für die spezifische U10/0-Reihe schwer zu finden sind, beruht die Einstellung dieser Ronneburger Einheiten auf dem Prinzip der Schieberzentrierung und Spielbeseitigung.

    1. Die mechanische Nullpunkt-Einstellung (Einstellschraube)

    Die Verschraubung, an der ihr bereits gedreht habt, bestimmt die Vorspannung der Zentrierfedern des inneren Steuerschiebers. Das Ventil muss im Ruhezustand absolut exakt in der mechanischen Mitte (Neutralstellung) stehen.

    • Vorgehensweise: * Bockt die Vorderachse komplett auf, sodass die Räder frei in der Luft hängen.
      • Löst die Kontermutter der Einstellschraube an der U10/0.
      • Dreht die Einstellschraube bei laufendem Motor und ohne am Lenkrad zu drehen ganz sachte hinein und heraus.
      • Der Indikator: Wenn die Schraube zu weit in eine Richtung gedreht wird, fängt die Lenkung meist an, von ganz alleine in eine Richtung zu laufen. Ihr müsst exakt den "toten Punkt" (die hydraulische Mitte) finden, an dem die Lenkung absolut ruhig bleibt und sich bei minimalem Lenkrad-Impuls in beide Richtungen gleichmäßig schwer/leicht ansprechen lässt.

    2. Mechanisches Spiel in den Anlenkpunkten (Der Hauptfehler)

    Hydraulische Lenkhilfen reagieren extrem empfindlich auf mechanisches Spiel im gesamten Lenkgestänge.

    • Wenn die Kugelköpfe, der Lenkstockhebel oder die Befestigungsaugen der U10/0 auch nur 1 mm Spiel aufweisen, wird dieser Impuls als Steuerbefehl an das Orsta-Ventil fehlinterpretiert. Das System steuert gegen, das Spiel schlägt um, und das Zittern beginnt.
    • Prüfung: Kontrolliert penibel alle Gelenkköpfe der Spurstange, Schubstange und die Befestigung des Lenkgehäuses. Jedes Spiel muss komplett beseitigt werden.

    3. Luft im System

    Auch wenn die Pumpe funktioniert: Luft im Hydrauliköl wirkt wie eine Feder (kompressibel), wohingegen Öl inkompressibel ist. Das führt ebenfalls zum Aufschwingen.

    • Entlüften: Bei aufgebockter Achse das Lenkrad mehrmals langsam von Endanschlag zu Endanschlag drehen (bei laufendem Motor). Dabei den Ölstand im Behälter im Auge behalten. Es darf kein Schaum zu sehen sein.

    Fazit & Tipp für die Praxis

    1. Sucht den mechanischen Fehler (Spiel in den Gelenken). Zu 80 % verstärkt Spiel das Schwingen der Orsta-Ventile ungemein.
    2. Stellt die Schraube bei aufgebockter Achse so ein, dass das Zittern im Stand aufhört und der Kraftaufwand nach links und rechts absolut identisch ist. Dreht sie schrittweise (jeweils nur eine 1/4 Umdrehung) und testet das Verhalten beim Lenken.

    Solltet ihr tiefergehende Unterlagen zu Orsta-Lenkhilfen oder den passenden Einstellwerten für den Schieberweg suchen, lohnt sich oft auch ein Blick in Werkstatthandbücher von DDR-Fahrzeugen, die ähnliche Ronneburger Komponenten nutzten (z. B. Traktoren der ZT-Reihe oder IFA-Nutzfahrzeuge) – das Prinzip der Schiebersteuerung ist dort identisch.

    Viel Erfolg beim Schrauben und beste Grüße

  • Danke für die schnelle Antwort.

    Luft im System und Spiel in den Gelenken können wir ausschließen. Die mechanische Einstellung ist sicher der Knackpunkt. Der leider verstorbene Vorbesitzer hat an beiden Enden der U10/0 schon Einstellversuche unternommen auch schon an dem 2., neu eingebauten Teil, leider. So dass wir denken, dass es mit der Seite wo die Einstellung im Normalfall vorgenommen werdern kann u.U. nicht mehr richtig funktioniert - im Bild des U10/0 also die Seite gegenüber dem Kugelgelenk. Daher die Frage nach einer Grundeinstellung. Mal sehen ob sich dazu noch irgend etwas finden lässt.

    Deine klare Anleitung müssen wir so bald möglich umsetzen.

    Danke nochmals

    Richard