Da du die Lager und das Spiel vor dem Einbau geprüft hast, ist die Frage, warum es jetzt (nach 800 km) zu diesem Phänomen kommt, entscheidend. Hier ist eine technische Analyse der wahrscheinlichsten Ursachen:
1. Axialspiel der Kurbelwelle ("Riemenscheibe hat Spiel")
Wenn die Riemenscheibe spürbar axial "eiert" oder sich bewegt, ist das ein Alarmsignal.
- Verschleiß der Anlaufscheiben: Auch wenn diese beim Einbau korrekt waren, könnten sie sich durch Montagefehler (z. B. nicht ganz plan liegend) oder mangelnde Schmierung in der Einlaufphase vorzeitig abgenutzt haben. Wenn die Anlaufscheiben "weg" sind, wandert die Kurbelwelle.
- Kupplungsdruck: Deine Vermutung bezüglich der Kupplung ist berechtigt. Wenn das Ausrücklager dauerhaft leicht anliegt oder die Kupplungsbetätigung durch Verspannungen im Gehäuse/Motorlager bei Wärme zu stark auf die Kurbelwelle drückt, wirkt dies als axiale Dauerlast. Dies führt zu einem extrem schnellen Verschleiß der Anlaufscheiben.
- Materialermüdung/Setzung: Sollte ein Lagerbock nicht 100%ig fest gewesen sein oder sich durch thermische Ausdehnung im Betrieb minimal gesetzt haben, könnte das Spiel entstanden sein.
2. Schwankender Öldruck und Leistungsverlust
Dass der Öldruck schwankt und die Leistung fällt, hängt oft direkt mit dem Spiel in der Kurbelwelle zusammen:
- Leckverluste am Lager: Wenn die Kurbelwelle zu viel axiales oder radiales Spiel bekommt, vergrößert sich der Lagerspalt. Das Öl kann seitlich an den Lagerschalen schneller entweichen, der Öldruck sinkt (besonders im warmen Zustand).
- Dieselverdünnung: Eine häufige Ursache für abfallenden Öldruck bei IFA-Motoren ist Diesel im Öl. Wenn die ESP-Abdichtung (zentralgeschmiert) oder eine Düse nicht perfekt arbeitet, steigt der Ölstand, das Öl wird dünnflüssig und der Öldruck bricht zusammen. Das erklärt auch den Leistungsverlust (schlechte Verbrennung).
- Ölschaumbildung: Wenn durch das Kurbelwellenspiel die Pleuel oder Gegengewichte in den Ölsumpf eintauchen oder durch den falschen Ölstand Schaum entsteht, zieht die Ölpumpe Luft/Schaum statt Öl. Das führt zu schwankendem Druck.
Um weitere Schäden zu vermeiden, solltest du den Betrieb einstellen und folgende Punkte prüfen:
- Öl-Check: Kontrolliere sofort den Ölstand und die Konsistenz. Riecht es nach Diesel? Ist der Ölstand höher als beim letzten Mal? Wenn ja, ist das deine erste Baustelle.
- Axialspiel messen: Versuche, das Axialspiel der Kurbelwelle erneut mit einer Messuhr direkt an der Riemenscheibe oder am Schwungrad zu prüfen (jemand muss den Motorblock gegenhalten/drücken).
- Kupplung prüfen: Prüfe das Spiel am Kupplungspedal und ob das Ausrücklager im Leerlauf wirklich absolut frei läuft (keine Geräusche, keine Rotation des Lagers).
- Ölfilter/Zentrifuge: Öffne die Zentrifuge. Wenn dort Metallabrieb (goldfarben/Messing von den Anlaufscheiben) zu finden ist, hast du die Ursache für das Axialspiel gefunden.
Zusammenfassende Einschätzung:
Das "Spiel" an der Riemenscheibe ist bei einem Motor dieser Bauart nicht normal. Es deutet darauf hin, dass die Kurbelwelle nicht mehr axial geführt wird. Wenn du zusätzlich einen Leistungsabfall hast, ist es sehr wahrscheinlich, dass durch das entstandene Spiel der Öldruck im Hauptlagerbereich zusammenbricht oder die Pleuellager bereits durch den "Eiertanz" der Welle gelitten haben.
Ein Weiterbetrieb ist gefährlich, da ein kapitaler Motorschaden (Festgehen der Kurbelwelle) droht. Ich empfehle, die Ölwanne abzunehmen und den Zustand der Lagerschalen und der Anlaufscheiben zu prüfen – das ist zwar Arbeit, aber bei weitem günstiger als ein kompletter Blockriss.
Wie sieht es bei dir mit dem Ölstand aus, hast du in den letzten 800 km Öl nachfüllen müssen oder ist der Stand eher gestiegen?