Beiträge von Renato

    Die regelmäßige Schmierung der beweglichen Teile ist für die Betriebssicherheit und die Langlebigkeit des IFA L60 von entscheidender Bedeutung. Da es sich um ein Nutzfahrzeug mit komplexer Mechanik handelt, ist eine systematische Vorgehensweise gemäß den technischen Unterlagen des Herstellers unerlässlich.

    Abschmierstellen und Systematik

    Die Abschmierstellen beim IFA L60 sind über das gesamte Fahrgestell verteilt. Eine vollständige Auflistung findet sich im offiziellen Wartungsplan (Schmierplan) des Fahrzeugs. Grundsätzlich sind insbesondere folgende Bereiche regelmäßig zu warten:

    • Vorderachse: Achsschenkelbolzen, Spurstangenköpfe und Lenkgestänge.
    • Kardanwellen: Schiebestücke und Kreuzgelenke.
    • Fahrerhauslagerung: Die Lagerpunkte des kippbaren Fahrerhauses.
    • Bremsgestänge/Pneumatik: Alle beweglichen Gelenke der Bremsbetätigung sowie gegebenenfalls Abschmiernippel an Hilfszylindern.
    • Kupplung: Das Ausrücklager und die Betätigungsmechanik.
    • Federung: Die Bolzen der Blattfederaufhängungen (je nach Ausführung).

    Auswahl des Schmierfetts

    Für den IFA L60 sollte ein hochwertiges Mehrzweck-Lithium-Komplexfett verwendet werden, das für die Beanspruchung in Nutzfahrzeugen ausgelegt ist.

    • Wichtiger Hinweis: Mischen Sie keine unterschiedlichen Fettsorten (z. B. auf unterschiedlicher Seifenbasis), da dies die Schmierfähigkeit beeinträchtigen kann. Vor der Neubefüllung sollte daher das alte Fett so weit wie möglich aus den Schmiernippeln herausgedrückt werden.
    • Für spezielle Anwendungen, wie etwa innerhalb pneumatischer Bauteile oder spezieller Zylinder, sind mitunter spezifische Schmierstoffe gemäß Werkstatt-Handbuch erforderlich.

    Intervalle und Durchführung

    Die Intervalle für die Abschmierung richten sich nach der Laufleistung (Kilometer) und der Einsatzart (z. B. Baustellenbetrieb vs. Straßenbetrieb).

    • Regelmäßige Wartung: Die Abschmierung ist im Rahmen der vorgeschriebenen Wartungsintervalle (kleine und große Durchsicht) durchzuführen. Im schweren Einsatz verkürzen sich diese Intervalle entsprechend.
    • Vorbereitung: Vor dem Abschmieren sind die Schmiernippel gründlich zu reinigen, um das Eindringen von Schmutz und abrasivem Staub in die Lagerstellen zu verhindern.
    • Durchführung: Pressen Sie so viel frisches Fett ein, bis das alte Fett an den Lagerstellen austritt. Das austretende Altfett sollte anschließend fachgerecht entfernt werden. Achten Sie dabei stets auf die Dichtmanschetten der Gelenke; beschädigte Manschetten führen zu einem schnellen Auswaschen des Fetts und zum Verschleiß der Komponenten.

    Empfehlung zur Dokumentation

    Da der IFA L60 über eine Vielzahl einzelner Schmierstellen verfügt, empfiehlt es sich, eine Checkliste basierend auf dem originalen Schmierplan zu führen. Dies stellt sicher, dass auch schwer zugängliche Nippel – wie sie beispielsweise an den Kardanwellen oder hinter Verkleidungen liegen – bei jedem Intervall tatsächlich erreicht werden.

    Bei Unsicherheiten zur Identifikation einzelner Stellen ist das Reparaturhandbuch „Wartung und Pflege“ die maßgebliche Referenzquelle.

    Die regelmäßige Abschmierung der beweglichen Teile am IFA W50 ist eine grundlegende Maßnahme zur Sicherstellung der Betriebssicherheit und zur Minimierung des Verschleißes an Fahrwerk und Antriebsstrang. Im Folgenden werden die technischen Anforderungen und notwendigen Arbeitsschritte neutral zusammengefasst.

    Abschmierstellen am Fahrzeug

    Der IFA W50 verfügt über eine Vielzahl von Schmiernippeln an Fahrgestell und Lenkung. Die wesentlichen Punkte umfassen:

    • Vorderachse: Achsschenkelbolzen (oben und unten), Spurstangenköpfe, Lenkstockhebel sowie die Lagerung der Blattfedern (Federbolzen).
    • Lenkung: Lenkzwischenhebel und Kreuzgelenke der Lenksäule.
    • Antriebsstrang: Kreuzgelenke der Gelenkwellen (Kardanwellen) sowie das Schiebestück der Gelenkwelle.
    • Bremsanlage: Lagerung der Bremsnockenwellen (sofern mit Schmiernippeln ausgestattet) und die Lagerung der Bremspedalwelle.
    • Nebenaggregate: Kupplungsausrücklager (sofern zugänglich) und weitere lagernde Komponenten gemäß der jeweiligen technischen Dokumentation.

    Anforderungen an das Schmiermittel

    Für die Schmierung der Fahrwerksteile ist die Verwendung eines hochwertigen Mehrzweckfettes auf Lithiumseifenbasis vorgeschrieben.

    • Spezifikation: Es sollte ein Fett verwendet werden, das den Anforderungen für hochbelastete Wälz- und Gleitlager entspricht (Konsistenzklasse NLGI 2).
    • Eigenschaften: Das Fett muss wasserabweisend, korrosionsschützend und druckbeständig sein. Handelsübliche Wälzlagerfette, die der ursprünglichen DDR-Norm oder heutigen äquivalenten DIN-Standards entsprechen, sind für diesen Einsatzzweck geeignet.

    Abschmierintervalle

    Die Intervalle sind abhängig von der Einsatzintensität und den Umgebungsbedingungen:

    1. Regelbetrieb: Bei normaler Nutzung auf befestigten Straßen wird eine Abschmierung alle 5.000 bis 10.000 Kilometer empfohlen.
    2. Erschwerter Einsatz: Bei Geländefahrten, hoher Staubbelastung oder bei Fahrten durch Wasser bzw. Schlamm müssen die Intervalle signifikant verkürzt werden. Hier empfiehlt sich eine Prüfung und Nachschmierung unmittelbar nach dem Einsatz, um ein Auswaschen des Schmierstoffes zu verhindern.
    3. Standzeiten: Fahrzeuge, die über einen längeren Zeitraum nicht bewegt werden, sollten vor der erneuten Inbetriebnahme ebenfalls abgeschmiert werden, um Korrosion in den Lagern vorzubeugen.

    Wichtige Hinweise für die Durchführung

    • Sauberkeit: Vor dem Ansetzen der Fettpresse sind die Schmiernippel gründlich von Schmutz und Fettresten zu reinigen, um das Eindringen von abrasiven Partikeln (Sand, Staub) in die Lagerstellen zu vermeiden.
    • Fettfluss: Es ist so lange Fett einzupressen, bis an der Austrittsstelle frisches, sauberes Fett sichtbar wird. Dies stellt sicher, dass altes Fett und eventuell eingedrungene Feuchtigkeit aus der Lagerstelle verdrängt werden.
    • Überdosierung: Übermäßiger Druck bei abgedichteten Gelenken kann zur Beschädigung der Dichtmanschetten führen. Hier ist mit Fingerspitzengefühl vorzugehen.
    • Sicherheit: Vor Beginn der Arbeiten ist das Fahrzeug gegen Wegrollen zu sichern. Bei Arbeiten unter dem Fahrzeug sind die entsprechenden Sicherheitsvorschriften für das Heben und Abstützen von schweren Lasten zwingend einzuhalten.

    Für detaillierte Positionsangaben der Schmiernippel ist stets das spezifische Wartungshandbuch des jeweiligen Fahrzeugtyps heranzuziehen, da je nach Aufbauvariante (z. B. Allrad- oder Straßenversion) Abweichungen in der Anzahl der Schmierstellen bestehen können.

    Maßnahmen zur fachgerechten Einlagerung eines IFA LKW L60

    Um die Betriebsbereitschaft eines IFA LKW L60 nach einer längeren Standzeit, wie beispielsweise einer Winterpause, sicherzustellen, sind gezielte präventive Maßnahmen erforderlich. Diese dienen dem Schutz technischer Komponenten vor Korrosion, Materialermüdung und Standschäden.

    Vorbereitende Maßnahmen bei Abstellung

    • Kraftstoffsystem: Der Kraftstofftank sollte vollständig befüllt werden. Dies verhindert die Kondenswasserbildung an den Tankinnenwänden, was die Korrosionsgefahr minimiert und das Risiko von Mikrobenbefall im Dieselkraftstoff reduziert.
    • Reifen und Fahrwerk: Um sogenannte „Standplatten“ an den Reifen zu vermeiden, sollte der Reifendruck um etwa 0,5 bis 1,0 bar über den regulären Betriebsdruck erhöht werden. Idealerweise wird das Fahrzeug entlastet aufgebockt, um die Reifen sowie die Federungselemente vollständig zu entlasten.
    • Batteriemanagement: Die Batterien sollten ausgebaut, vollständig geladen und an einem frostfreien, trockenen Ort gelagert werden. Eine regelmäßige Überprüfung des Ladezustands während der Standzeit ist empfehlenswert, um eine Tiefentladung zu verhindern.
    • Korrosionsschutz: Alle blanken Metallteile, insbesondere an freiliegenden Gelenken, Schaltgestängen oder Gewinden, sollten mit einem geeigneten Konservierungsmittel (z. B. Sprühöl oder Wachs) behandelt werden.
    • Kühlsystem: Die Konzentration des Frostschutzmittels im Kühlwasser ist zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen, um Schäden durch Frost oder innere Korrosion am Motorblock und Kühler sicher auszuschließen.
    • Bremsanlage: Die Feststellbremse sollte bei längerer Standzeit gelöst bleiben, um ein Festrosten der Bremsbeläge in den Trommeln zu verhindern. Das Fahrzeug muss gegen Wegrollen durch Unterlegkeile gesichert werden.
    • Innenraum und Elektrik: Um Feuchtigkeitsansammlungen im Fahrerhaus zu vermeiden, kann ein Luftentfeuchter aufgestellt werden. Sämtliche elektrischen Verbraucher müssen ausgeschaltet sein.

    Wiederinbetriebnahme nach der Standzeit

    Vor dem ersten Startversuch nach der Winterpause sind folgende Schritte durchzuführen:

    1. Sichtprüfung: Kontrolle des Fahrzeugs auf Undichtigkeiten (Motoröl, Getriebeöl, Hydraulikflüssigkeit) sowie auf Schäden durch Nagetiere (Kabelbäume, Schläuche).
    2. Betriebsstoffe: Überprüfung aller Flüssigkeitsstände (Motoröl, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit).
    3. Motorvorbereitung: Bei langer Standzeit empfiehlt es sich, den Motor zunächst ohne Einspritzung (sofern technisch einfach möglich) oder mittels manuellen Durchdrehens zu bewegen, um den Öldruckaufbau zu begünstigen und die Schmierung vor dem ersten Start sicherzustellen.
    4. Elektrische Anlage: Anschluss der geladenen Batterien und Prüfung der Beleuchtungsanlage sowie der Instrumente.
    5. Reifendruck: Anpassung des Reifendrucks auf den vorgeschriebenen Betriebswert.

    Durch die Einhaltung dieser prozessorientierten Schritte lassen sich Folgeschäden durch Standschäden effektiv vermeiden und die Zuverlässigkeit des IFA L60 auch nach längeren Ruhephasen gewährleisten.

    Die Stilllegung eines IFA LKW W50 über die Wintermonate erfordert aufgrund der robusten, aber wartungsintensiven Technik der DDR-Nutzfahrzeugära einige spezifische Maßnahmen. Um Korrosion, Standschäden und Startschwierigkeiten im Frühjahr zu vermeiden, hat sich eine systematische Vorgehensweise bewährt.

    Hier ist der Leitfaden für die fachgerechte Einwinterung:

    1. Betriebsflüssigkeiten und Motorpflege

    • Kraftstoffsystem: Der Tank sollte vollgetankt abgestellt werden. Dies verhindert Schwitzwasserbildung im Tankinneren, was bei Stahlblechtanks die Korrosion minimiert. Wichtig: Nutzen Sie bei längerem Stillstand einen Diesel-Additiv-Zusatz, um die Zündwilligkeit zu erhalten und die Alterung des Kraftstoffs zu verlangsamen.
    • Motoröl: Es empfiehlt sich, vor der Einlagerung einen Ölwechsel vorzunehmen, da sich im Altöl Säuren und Verbrennungsrückstände befinden, die die Lagerstellen angreifen können.
    • Kühlsystem: Überprüfen Sie den Frostschutzgehalt. Bei einem wassergekühlten W50 ist ein korrektes Mischverhältnis essentiell, um nicht nur das Einfrieren, sondern auch Korrosion im Block zu verhindern.

    2. Standzeiten und Fahrwerk

    • Reifendruck: Erhöhen Sie den Reifendruck um ca. 0,5 bis 1,0 bar über den Nennwert, um Standplatten an den Reifen zu vermeiden.
    • Entlastung: Idealerweise wird das Fahrzeug aufgebockt, um Achsen, Federn und Reifen zu entlasten. Ist dies nicht möglich, sollte der LKW alle paar Wochen ein Stück bewegt werden, um die Lastpunkte an den Reifen zu verlagern.
    • Schmierstellen: Abschmieren aller Nippel nach Herstellervorgabe vor der Pause verdrängt altes Fett und Feuchtigkeit aus den Gelenken.

    3. Elektrische Anlage

    • Batteriepflege: Die Batterien sollten ausgebaut und an einem kühlen, trockenen Ort gelagert werden. Ein Erhaltungsladegerät (mit Puls-Erhaltung) ist ideal, um die Sulfatierung zu verhindern.
    • Korrosionsschutz: Sprühen Sie Batteriekontakte und Steckverbindungen mit Polfett oder einem Kontaktschutzspray ein, um Kriechströme und Korrosion durch Feuchtigkeit zu minimieren.

    4. Karosserie und Innenraum

    • Feuchtigkeitsschutz: Der W50 ist anfällig für Korrosion an den Türeinstiegen, Radläufen und Fahrerhaus-Dichtungen. Lagern Sie das Fahrzeug in einer trockenen, gut belüfteten Halle. Eine Plane sollte nur verwendet werden, wenn sie atmungsaktiv ist; ansonsten droht ein "Treibhauseffekt", der Rost fördert.
    • Innenraum: Stellen Sie einen Luftentfeuchter (Granulat) in das Fahrerhaus, um Schimmelbildung an Polstern und Armaturenbrett zu verhindern.

    5. Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme

    Wenn Sie im Frühjahr starten, gehen Sie schrittweise vor:

    1. Sichtprüfung: Kontrollieren Sie den Keilriemen und die Schläuche auf Marderverbiss oder Sprödigkeit.
    2. Ölstand: Prüfen Sie den Ölstand und schauen Sie kurz unter das Fahrzeug, ob Dichtungen (Motor/Getriebe) nach der langen Zeit undicht geworden sind.
    3. Startvorgang: Wenn das Fahrzeug lange stand, kann die Kraftstoffleitung leer gelaufen sein. Betätigen Sie ggf. die Handpumpe der Kraftstoffförderpumpe, um das System vor dem Starten zu entlüften.
    4. Batterie: Setzen Sie die voll geladenen Batterien ein. Achten Sie auf festen Sitz der Klemmen.
    Persönlicher Hinweis: Die Technik des W50 ist mechanisch sehr dankbar. Die größte Gefahr für einen Klassiker dieser Bauart ist oft nicht die Mechanik selbst, sondern der schleichende Prozess der Feuchtigkeit. Eine gute Belüftung ist für die Substanz des Fahrerhauses oft wertvoller als jede Abdeckplane.

    Die technische Nachrüstung eines Turboladers beim 4 VD Motor erfolgt in der Praxis in unterschiedlichen Ausbaustufen, die technisch sehr verschieden zu bewerten sind:

    • Einfache Aufladung („Plug & Play“): Hierbei wird lediglich ein Turbolader montiert, der Abgaskrümmer angepasst und die Kraftstoffmenge erhöht. Dies führt zwar kurzfristig zu einer spürbaren Mehrleistung, ist jedoch aus ingenieurtechnischer Sicht kritisch zu betrachten.
    • Modifizierte Aufladung: Hierbei werden die thermischen und mechanischen Belastungsgrenzen berücksichtigt. Maßnahmen umfassen hierbei:
      • Reduzierung der Verdichtung (z.B. durch dickere Fußdichtungen oder angepasste Kolben).
      • Einsatz von Ladeluftkühlern (LLK), um die thermische Belastung zu senken.
      • Optimierung des Kühlsystems und der Schmierung.
      • Einsatz hochwertigerer Komponenten (z.B. Mahle-Kolben).

    Sinnhaftigkeit und Haltbarkeit

    Die zentrale Frage nach der Haltbarkeit lässt sich kurz zusammenfassen: Jede unvorbereitete Leistungssteigerung geht zu Lasten der Lebensdauer.

    1. Thermische Belastung: Der 4 VD Motor ist ein Saugdiesel. Sein gesamter Aufbau – insbesondere die Zylinderköpfe, die Kolbenringe und die Kühlwasserführung – ist für die ursprüngliche thermische Last ausgelegt. Ein Turbolader erhöht den Verbrennungsdruck und die Temperaturen drastisch. Ohne Anpassung der thermischen Abfuhr drohen Risse in den Zylinderköpfen, Laufbuchsenschäden oder Kolbenklemmer.
    2. Mechanische Belastung: Die Pleuel und Kurbelwellenlager sind für die serienmäßigen Drücke ausgelegt. Durch eine signifikante Erhöhung des Ladedrucks werden diese Bauteile über ihre Dauerfestigkeitsgrenze hinaus belastet.
    3. Wirtschaftliche Abwägung: Die notwendigen Maßnahmen für eine standfeste Turbo-Nachrüstung sind äußerst kostenintensiv. In vielen Fällen übersteigen die Kosten für eine fachgerechte Überholung plus Turbo-Umbau den Aufwand für eine Optimierung des Saugmotors (Einspritzanlage, Luftführung) oder gar den Umbau auf einen moderneren, werksseitig aufgeladenen Motor eines anderen Herstellers (unter Berücksichtigung der Zulassungsvorschriften).

    Empfehlung für die Praxis

    Wenn das Ziel eine höhere Alltagstauglichkeit und bessere Fahrleistungen sind, empfiehlt sich ein gestuftes Vorgehen:

    • Stufe 1 (Optimierung statt Tuning): Den Motor in den technischen Serienzustand bringen. Dies umfasst eine penible Überprüfung und Einstellung der Einspritzdüsen und der Einspritzpumpe sowie eine Optimierung der Ansaugluftführung (z.B. Umbau auf Trockenluftfilter). Viele Leistungsverluste resultieren schlicht aus Wartungsstau.
    • Stufe 2 (Übersetzungsanpassung): Oft ist nicht die Motorleistung das Limit, sondern die Getriebeübersetzung. Der Umbau auf ein längeres Vorgelege oder ein anderes Getriebe kann bei gleicher Motorleistung die Reisegeschwindigkeit und das Drehzahlniveau spürbar verbessern, ohne die thermische Last des Motors zu erhöhen.
    • Stufe 3 (Umbau auf Fremdmotor): Wenn die Mehrleistung unverzichtbar ist, wird in Fachkreisen häufig dazu geraten, auf einen Motor umzusteigen, der werksseitig für die Aufladung konstruiert wurde. Dies ist oft langlebiger und langfristig kosteneffizienter als ein hochgezüchteter 4 VD.

    Fazit: Ein einfacher Turbo-Anbau ohne tiefgreifende Modifikationen wird die Lebensdauer des 4 VD Motors mit hoher Wahrscheinlichkeit drastisch verkürzen. Eine standfeste Lösung erfordert einen Aufwand, der in einem ungünstigen Verhältnis zum Ertrag steht. Eine fundierte Wartung des Saugmotors in Verbindung mit einer Getriebeanpassung gilt allgemein als die technisch sinnvollste Methode für den W50.

    Hinweis: Änderungen am Motor beeinflussen die Betriebserlaubnis und das H-Kennzeichen (falls vorhanden). Vor derartigen Umbauten sollte zwingend eine Rücksprache mit einem amtlich anerkannten Sachverständigen erfolgen.

    Technische Aspekte beim Umbau auf Fremdmotoren im IFA W50

    Der Umbau von IFA-LKW des Typs W50 auf Motoren anderer Hersteller wird regelmäßig als Option zur Leistungssteigerung oder zur Optimierung der Ersatzteilverfügbarkeit diskutiert. Ein solcher Umbau erfordert eine fundierte technische Planung und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

    1. Gängige Motor-Optionen

    In der Praxis haben sich Motoren bewährt, deren Baugröße und Drehmomentcharakteristik mit der Fahrwerkskonzeption des W50 harmonieren:

    • Deutz (z. B. BF4L 913 / BF6L 913): Diese Motoren werden aufgrund ihrer Luftkühlung häufig verbaut, da hierdurch der Entfall wasserseitiger Komponenten (Kühler, Schläuche) möglich ist.
    • Mercedes-Benz (z. B. OM 366 / OM 366 A/LA): Diese Triebwerke zeichnen sich durch eine hohe Verfügbarkeit von Ersatzteilen aus, erfordern jedoch Anpassungen bei der Motoraufhängung und der Integration in das vorhandene Kühlsystem.

    2. Zentrale technische Anforderungen

    Die Integration eines fremden Antriebsstrangs in das W50-Chassis umfasst folgende Kernpunkte:

    • Adaptertechnik: Da das W50-Getriebe beibehalten wird, ist eine passgenaue Adapterplatte zwischen Motor und Getriebeglocke erforderlich. Dies schließt die Anpassung der Kupplungsbetätigung ein.
    • Motoraufhängung: Die neue Motorlagerung muss für die spezifischen Vibrationen und das Drehmoment des Fremdmotors ausgelegt und statisch belastbar am Rahmen fixiert werden.
    • Kühlsystem: Bei wassergekühlten Motoren ist die Dimensionierung des Kühlers an die neue Motorleistung anzupassen. Die Anordnung von Lüfter, Pumpe und Leitungen erfordert im W50-Motorraum eine präzise Anpassung.
    • Peripherie: Die Anbindung von Nebenaggregaten wie Lichtmaschine, Kompressor und Servolenkungspumpe erfordert individuelle Lösungen für den begrenzten Einbauraum.

    3. Regulatorische Rahmenbedingungen (Deutschland)

    Umbauten dieser Art sind in Deutschland abnahmepflichtig.

    • Prüfstelle: Vor Beginn des Umbaus ist die Abstimmung mit einem amtlich anerkannten Sachverständigen (TÜV/DEKRA) zwingend, um die Umsetzbarkeit und die Anforderungen an die Abnahme zu klären.
    • Nachweispflicht: Für die Eintragung sind in der Regel technische Nachweise (z. B. Festigkeitsgutachten für Adapter) erforderlich. Sofern das Fahrzeug ein H-Kennzeichen führt, ist zudem die Einhaltung zeitgenössischer Kriterien für die historische Einstufung zu prüfen.
    • Dokumentation: Eine vollständige Dokumentation aller technischen Änderungen sowie der verwendeten Komponenten ist für eine erfolgreiche Begutachtung erforderlich.

    4. Hinweise zur Umsetzung

    Da keine einheitlichen Umbausätze existieren, stellt jeder Motorwechsel eine individuelle technische Lösung dar.

    • Projektunterlagen: Der Zugriff auf bestehende Projektdokumentationen und der Austausch mit erfahrenen Anwendern dient der Orientierung.
    • Fertigung: Für sicherheitsrelevante Bauteile wie Adapterplatten ist auf professionelle Fertigungsverfahren zurückzugreifen, um die notwendige Präzision und Stabilität zu gewährleisten.

    Ein Motorumbau stellt einen wesentlichen Eingriff in die Fahrzeugkonfiguration dar. Eine detaillierte Vorplanung unter Einbeziehung der zuständigen Prüfbehörden ist die Voraussetzung für die technische Abnahme und die Zulassung des Fahrzeugs.


    Dieser Beitrag dient der allgemeinen technischen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen oder eine Fachwerkstatt.

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