Damals Hanomag & IFA, heute Luxus-Liner: Ein sachlicher Blick auf den Nachhaltigkeits-Trend bei Expeditionsmobilen

  • Wenn man sich heute in der Szene umschaut, sieht man einen unübersehbaren Trend: Es muss immer weiter gehen, immer größer sein und vor allem immer teurer werden. Fabrikneue Expeditionsmobile ab 100.000 Euro aufwärts sind auf den Messen und Stellplätzen mittlerweile der Standard. Das Thema Fernreise ist zu einem perfekt durchgestylten Lifestyle-Objekt geworden.

    Aber erinnern wir uns mal zurück: Vor gar nicht allzu langer Zeit war diese Welt noch verdammt ehrlich. Da gab es kein mobiles Internet, keine GPS-Satelliten-Navigation im Cockpit und kein dickes Portemonnaie, das im Notfall den Werksmonteur einfliegen ließ. Damals wurde echtes Abenteuer noch von Menschen gemacht, die mit einer gehörigen Portion Mut, gutem Werkzeug und unzerstörbarer Technik aufgebrochen sind. Auf den Pisten dieser Welt waren damals nur ein paar Hanomags, robuste Mercedes-Rundhauber oder unverwüstliche IFAs unterwegs. Das war puristisches Reisen.

    Heute hat sich der Fokus verschoben. Doch statt die alten Zeiten nur zu romantisieren, lohnt sich ein ganz neutraler, sachlicher Blick auf die Unterschiede zwischen damals und heute – insbesondere, wenn wir über das Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sprechen. Denn in der heutigen Debatte um CO₂-Fußabdrücke wird oft vergessen, dass die alten Giganten in der Gesamtbilanz erstaunlich modern abschneiden.

    1. Die eingebaute CO₂-Schuld: Das Prinzip „Graue Energie“

    Ein moderner Euro-6-LKW mag saubere Abgase haben, aber seine Produktion verschlingt gigantische Ressourcen. Die Gewinnung von Rohstoffen, das Schmelzen von High-Tech-Stählen und die komplexe Elektronikfertigung erzeugen Tonnen von CO₂ – die sogenannte „graue Energie“, die das Fahrzeug als unsichtbaren Rucksack mit sich herumträgt. Ein historischer LKW von damals hat diese ökologische Schuld längst abgearbeitet. Ihn zu erhalten, zu pflegen und als Expeditionsmobil zu nutzen, ist die reinste Form von Upcycling.

    2. Extreme Nutzungsdauer statt geplanter Obsoleszenz

    Die alten Fahrzeuge wurden für Generationen gebaut, nicht für Leasingverträge. Sie sind auf maximale Reparierbarkeit ausgelegt. Wenn ein Fahrzeug 40 oder 50 Jahre im Kreislauf bleibt, halbiert oder drittelt das den ökologischen Fußabdruck pro Nutzungsjahr im Vergleich zu modernen Plattformen, die nach abgelaufener Garantiezeit aufgrund von irreparablen Elektronikschäden oft wirtschaftliche Totalschäden sind.

    3. Globale Reparierbarkeit schont Ressourcen

    Wenn an einem modernen Truck im Nirgendwo ein Sensor streikt, schaltet das System ins Notlaufprogramm. Oft hilft dann nur noch der teure Luftfracht-Versand eines kompletten Steuergeräts aus Europa. Bei den mechanischen Klassikern reicht oft das handwerkliche Geschick vor Ort, um ein Bauteil aufzuarbeiten, statt es wegzuwerfen. Das schont die Rohstoffe weltweit.

    Genau dieser Spirit von damals – gepaart mit dem Wissen, wie man diese wunderbare, nachhaltige Technik heute effizient und sicher über die Pisten bewegt – hat mich beim Schreiben meines neuen Buches angetrieben. Mein „Expeditionsleitfaden für historische LKWs“ befindet sich aktuell im Druck und widmet der logistischen und technischen Nachhaltigkeit ein eigenes Augenmerk.

    Wie seht ihr diese rein technische Gesamtbilanz? Spielt der Gedanke der Ressourcenschonung durch Langlebigkeit bei eurer Fahrzeugwahl eine Rolle?

  • Hi,


    Ich sehe es ebenfalls so. Der W50 ind die S50 sind zwar mittlerweile mehr Hobby als der Zwang mobil zu bleiben, aber wenn ich mir den Rest meines Fuhrparks anschaue, sehe ich meine deine Gedanken bestätigt. Mein jüngstes Fahrzeug ist seit 24 Jahren in Betrieb. Ich mache auch keinen Hehl daraus dass es ein kapitalistisches Produkt aus Hannover ist, dessen Markenzeichen sich auf AuWeh reimt. Und es handelt sich um ein Fahrzeug das mit einem Barkas vergleichbar ist. Ausgestattet mit Airbag, ABS und Klima um für den Mobilitätszwang wenigstens etwas gefühlte Sicherheit im heutigen, bisweilen aggressiven, Verkehrsgetümmel zu vermitteln.

    Das beste an diesem Fahrzeug jedoch ist der 2,5 Liter 5 Zylinder Direkteinspritzer. Ich kann diesen Wagen mit seinen 2 Tonnen Leergewicht, mit Platz für bis zu 7 weiteren Personen oder 2m³ Ladung auf der Verkehrsfläche einer Mittelklasse-Limousine mit weniger als 7l/100km betreiben ohne dabei ein Verkehrshindernis sein zu müssen (es sind auch 6l/100km möglich, aber das ist dann kein Fahren mehr, es sind aber 10l/100km möglich, aber das Material muss ja nicht unnötig strapaziert werden)

    Im übrigen verbraucht der direkte Nachfolger meines Modells und all seine Weiterentwicklungen mindestens 1l/100km mehr, ohne dass man damit schneller fahren oder ankommen würde.


    Grüße und DAnk