IFA 4VD Motor - Kolben und Laufbuchsen

  • Hallo Schraubergemeinschaft,

    Meine Frage in die Runde, welche Erfahrungen habt Ihr gemacht, wenn Ihr gebrauchte Kolben und Laufbuchsen verwendet.

    Ich habe bis jetzt nur Neuware verwendet und bin damit gut gefahren.

    Ist beim Verwenden von Altteilen ,auf bestimmte Dinge zu achten?

    Besten Dank im Voraus!

    Gruß Daniel

  • Hallo

    Kolben und Buchsen sollten von den Maßen her zueinander passen-es dürfen keine Spuren von vorherigen Kolbenklemmern vorhanden sein-die Laufbuchsen dürfen keinen Satz aufweisen dort wo die Kolbenringe in der Laufbuchse gearbeitet haben-entweder gleich neue Kolbenringe verwenden oder die alten in die Laufbuchse setzen und das Kolbenring Stossmass überprüfen-sämtliche Teile auf Risse überprüfen

    Gruß Jochen

  • Danke für die schnelle Antwort, ich werde nochmal sehr genau auf die Abnutzungsspuren schauen und Kolbenringe + Ölabschleifringe wollte ich von meiner Seite aus erneuern, welches Material ist als Distanz besser alu - oder cu - Scheibe?(Laufbuchsenüberhang zum Motorblock) Ich hatte bis jetzt alu verwendet und bis heute keine negativen Erfahrungen gemacht.

    Gruß Daniel

  • das Thema „Gebrauchtteile beim Motoraufbau“ – speziell beim IFA 4VD – spaltet ja oft die Gemüter. Wenn man bisher nur Neuware verbaut hat, hat man natürlich die maximale Sicherheit auf seiner Seite. Aber gerade bei den IFA-Motoren ist der Einsatz von guten, gebrauchten Originalteilen aus DDR-Produktion absolut eine Überlegung wert, da die Materialqualität der alten Lagerbestände oft hervorragend ist.

    Wenn du gebrauchte Kolben und Laufbuchsen (Buchse-Kolben-Paare) weiterverwenden möchtest, solltest du dich aber nicht nur auf das Bauchgefühl verlassen, sondern ein paar goldene Regeln und präzise Messungen beachten. Hier ist eine Übersicht, worauf es ankommt:

    1. Nur als „eingespieltes Team“ verbauen

    Das Wichtigste vorweg: Niemals gebrauchte Kolben und Laufbuchsen wild untereinander mischen! Kolben und Buchse laufen sich aufeinander ein. Wenn du Altteile verwendest, sollten Kolben und Buchse idealerweise immer aus demselben Zylinder stammen, in dem sie vorher schon gelaufen sind.

    2. Visuelle Prüfung (Die erste Auslese)

    • Laufbuchsen: Schau dir die Laufflächen genau an. Gibt es tiefe Riefen, die man mit dem Fingernagel spüren kann? Gibt es Anlassfarben (Hitzespuren) oder deutliche Spuren von Rost/Kavitation an der Außenseite (Wasserseite)? Wenn der Kreuzschliff (Honbild) komplett verschwunden und die Wand spiegelglatt ist, ist die Buchse ohne Nacharbeit (Nachhonen) kaum noch zu gebrauchen.
    • Kolben: Kontrolliere den Kolbenhemd-Bereich auf Reiber oder Fresser. Haarrisse (besonders im Bereich des Kolbenbolzenauges oder am Kolbenboden/Muldenrand) sind das sofortige K.o.-Kriterium. Die Ringnut-Flanken dürfen nicht ausgeschlagen sein.

    3. Messen ist Pflicht (Verschleißgrenzen einhalten)

    Verlass dich nicht nur auf das Auge, das WHB (Werkstatthandbuch) ist hier dein bester Freund:

    • Zylindrisches Maß & Unrundheit: Die Laufbuchse muss mit einem Innenfeinmessgerät („Subito“) an mehreren Punkten (oben, mitte, unten jeweils in und quer zur Fahrtrichtung) ausgemessen werden. Gibt es einen spürbaren oberen Umkehrpunkt (Verschleißabsatz der Kolbenringe)? Wenn die Buchse unrund oder ballig gelaufen ist, dichten neue Ringe später nicht mehr ab.
    • Spaltmaß/Einbauspiel: Bestimme das tatsächliche Laufspiel zwischen Kolbenhemd und Buchse. Ist das Spiel zu groß, neigt der Kolben zum Kippen („Kolbenkipper“), was zu erhöhtem Verschleiß und Geräuschen führt.

    4. Der Umgang mit den Kolbenringen

    Hier gibt es zwei Philosophien:

    • Variante A (Die sichere Variante): Man spendiert dem gebrauchten Kolben neue Kolbenringe. Wenn die Buchse noch gut maßhaltig ist und noch Rest-Kreuzschliff besitzt (oder minimal nachgehont wurde), können sich neue Ringe dort wieder einlaufen. Wichtig: Unbedingt das Stoßspiel der neuen Ringe in der gebrauchten Buchse prüfen!
    • Variante B (Absoluter Low-Budget-Erhalt): Du lässt die alten Ringe genau in den Nuten, in denen sie saßen. Das funktioniert aber nur, wenn das Stoßspiel und das Höhenspiel in der Nut noch innerhalb der Toleranz liegen und der Motor vorher absolut unauffällig lief (kein Blaurauch, gute Kompression). Sobald du die Ringe einmal runternimmst, verdrehst oder vertauschst, ist die eingelaufene Geometrie dahin.

    5. Sauberkeit und Peripherie

    • Ölkohle: Gebrauchte Kolben müssen vor dem Wiedereinbau penibel von Ölkohle befreit werden (besonders die Ringnuten). Die kleinen Ölbohrungen hinter den Ölabstreifringen müssen absolut frei sein.
    • Kolbenbolzen: Das Spiel zwischen Kolbenbolzen und Pleuelbüchse bzw. Kolbenauge muss spielfrei und leichtgängig sein. Bei fühlbarem Spiel -> neu ausbüchsen.
    • Dichtringe/Führung: Bei den nassen Laufbuchsen des 4VD müssen die äußeren Gummi-Dichtringe (Rundringe) unten an der Buchse zwingend immer neu genommen werden. Auch der Sitz im Block muss penibel sauber gekratzt werden, damit die Buchse gerade sitzt und dicht wird.

    Fazit: Gebrauchtteile beim 4VD funktionieren dann gut, wenn das Material maßhaltig ist, die Paarung stimmt und man gewillt ist, die Teile vorab präzise zu vermessen. Wenn die Maße außerhalb der Toleranz liegen, sparst du am falschen Ende, da der Arbeitsaufwand beim 4VD für ein erneutes Zerlegen einfach zu groß ist.

    Wie sehen die Maße deiner Altteile denn aus? Habt ihr das Ganze schon durchgemessen?