​Leidenschaft im Maßstab 1:10: Wie zwei Hobbybastler den DDR-Kult am Leben erhalten

  • In aufwendiger Handarbeit lassen Lutz Richter und Dennis Meyer legendäre IFA-Lkw in Kleinserie wieder auferstehen. Ihre fahrbereiten Prototypen sind detailgetreue Meisterwerke – und im Grunde unbezahlbar.


    Wenn in der Werkstatt von Lutz Richter der Motor aufröhrt und feiner Rauch aufsteigt, erwacht ein Stück Ost-Geschichte zu neuem Leben – allerdings einige Nummern kleiner als das Original. Der 60-jährige Elektriker baut zusammen mit seinem Mitstreiter Dennis Meyer (47) legendäre DDR-Nutzfahrzeuge wie den W50 und den Nachfolger L60 nach. Das Besondere: Die Minis fahren nicht nur, sie machen echte Geräusche und qualmen dank Rauchöl wie ihre großen Vorbilder.

    Vom Alltagsbegleiter zum weggeworfenen Schrott

    Für Lutz Richter ist das Hobby eine Herzensangelegenheit mit persönlicher Vergangenheit. Vor der Wende fuhr er als Angestellter eines Energiekombinats selbst jahrelang den W50. Zwischen 1965 und 1990 rollten im Automobilkombinat Ludwigsfelde über eine halbe Million dieser robusten Alleskönner vom Band – eingesetzt in Betrieben, auf LPGen, bei der NVA oder beim Rettungsdienst.

    Doch mit dem Fall der Mauer änderte sich die Wahrnehmung schlagartig. „So einen W50 hat man damals für eine West-Mark hinterhergeworfen bekommen“, erinnert sich der Familienvater rückblickend mit etwas Scham. Viele wollten die eigene Technik nicht mehr und kauften stattdessen überteuerte West-Modelle. Erst Jahre später besannen sich viele wieder auf die eigenen Werte – während vorausschauende Sammler die Fahrzeuge aufkauften und heute hohe Summen dafür erzielen.

    Reine Handarbeit – ohne Bausatz

    Einen echten Lkw hat Richter nicht in der Garage, dafür aber eine wachsende Flotte im Maßstab 1:10 im Hobbyraum. Da es für diese IFA-Modelle weltweit keine Bausätze gibt – „nicht mal die Chinesen haben sich an dieses Modell gewagt“ –, entsteht jedes Bauteil in meisterhafter Eigenregie.

    Bundesweit gibt es nur ein knappes Dutzend Enthusiasten, die sich dieser Herausforderung stellen. Dennis Meyer gehört dazu: Obwohl er beim Mauerfall noch ein Kind war, brennt er genauso für die DDR-Fahrzeugtechnik wie sein älterer Hobbykollege.

    400 Stunden Geduld pro Modell

    Bis ein Fahrzeug vollendet ist, vergehen meist rund 400 Arbeitsstunden. Da beide voll im Berufsleben stehen, opfern sie dafür Feierabende und Wochenenden. Nicht immer läuft alles glatt: „Es gibt Tage, an denen man alles hinschmeißen möchte“, gesteht Richter. Doch nach einer Nacht Schlaf sieht die Welt meist wieder anders aus. Bis ein Modell fertig ist, kann es so schon einmal zwei Jahre dauern.

    Unbezahlbare Einzelstücke aus Reiner Freude

    Verkäuflich sind die detailgetreuen Miniaturen nicht. Auf Ostfahrzeug-Treffen gebe es zwar immer wieder Kaufinteressenten, doch damit es sich rechnerisch einigermaßen lohnen würde, müsste ein Modell mindestens 3.000 Euro kosten. Eine Summe, die kaum jemand zahlen möchte. Eine Selbstständigkeit kommt für beide daher nicht infrage – es bleibt ein reines Privatvergnügen.


    Unterstützung bekommt Richter von seiner Ehefrau, die volles Verständnis für das kostenintensive Hobby aufbringt. „Sie macht dafür ganz viel Handarbeit, da fahre ich sie sogar zu Messen. So sind wir quitt“, schmunzelt er.

    Events wie das IFA-TOURS Treffen in Bodenrode auf der Ranch, geben den beiden Bastlern immer wieder neuen Ansporn. Für Richter steht fest: „Da merkt man, dass unsere guten alten Fahrzeuge eben doch noch nicht vergessen sind. Es war nicht alles schlecht in der DDR...“