Das hydraulisch betätigte Trommelbremssystem des IFA W50 ist robust konstruiert, erfordert jedoch im Rahmen der Oldtimer-Wartung und des ganzjährigen Einsatzes eine regelmäßige Inspektion. Der Radbremszylinder (RBZ) bildet dabei ein zentrales Element, das direkt auf die Bremsbacken wirkt. Ein sachgemäßer Umgang mit Diagnose, Instandhaltung und anschließender Entlüftung ist für die Betriebssicherheit unerlässlich.
1. Diagnose und Fehlerermittlung
Ein verschlissener oder undichter Radbremszylinder kündigt sich meist durch typische Symptome an:
- Einseitiges Ziehen der Bremse: Verursacht durch schwergängige oder fest sitzende Kolben in einer Seite des Zylinders.
- Veränderter Pedalweg / Nachlassen des Drucks: Oft ein Indiz für schleichenden Flüssigkeitsverlust oder innere Undichtigkeiten.
- Verölte oder verfettete Bremsbeläge: Sichtbarer Austritt von Bremsflüssigkeit an den Gummimanschetten, was zu einer massiven Reduzierung der Bremswirkung führt.
- Visuelle Prüfung: Nach Demontage der Radkappe, Trommel und Rückzugsfedern lässt sich prüfen, ob unter den Staubmanschetten Feuchtigkeit oder Rost austritt.
2. Ausbau des Radbremszylinders
Für den Austausch oder die Überholung sind folgende Schritte einzuhalten:
- Das Fahrzeug sicher aufbocken, das entsprechende Rad abmontieren und die Bremstrommel entfernen.
- Die Bremsbacken nach Aushängen der Rückzugsfedern abnehmen, um den Arbeitsraum freizulegen.
- Die Bremsleitung an der Rückseite des Ankerschilds lösen und die Anschlussstelle mit einem Stopfen versehen, um ein vollständiges Auslaufen des Ausgleichsbehälters zu verhindern.
- Die Befestigungsschrauben des Radbremszylinders auf der Ankerplatte lösen und den Zylinder nach vorn herausnehmen.
3. Reparatur und Überholung
Originale Radbremszylinder lassen sich bei intakter Laufbahnoberfläche häufig instand setzen:
- Demontage und Reinigung: Kolben und Manschetten herausnehmen. Alle Bauteile gründlich mit Spiritus oder speziellem Bremsenreiniger säubern (kein mineralisches Öl verwenden!).
- Prüfung der Laufbahn: Die Zylinderwandung auf Riefen oder Korrosion untersuchen. Leichte Pitting-Spuren können vorsichtig mit feinem Schleifvagen geglättet werden; bei tiefen Beschädigungen ist ein kompletter Ersatz zwingend erforderlich.
- Montage: Neue Kolbenmanschetten und Dichtelemente verwenden. Vor dem Einbau die Zylinderlaufbahn sowie die Manschetten leicht mit Bremsenpaste (oder frischer Bremsflüssigkeit) benetzen, um Gummischäden bei der Montage zu verhindern.
4. Einbau und Einstellen
- Den überholten oder neuen Radbremszylinder wieder auf der Ankerplatte positionieren und festschrauben.
- Die Bremsleitung spannungsfrei anschließen und handfest anziehen (auf saubere Gewindegänge achten).
- Die Bremsbacken montieren und die Grundeinstellung der Bremse vornehmen. Dabei die Exzenter oder automatischen Nachsteller so einstellen, dass die Bremstrommel nach der Montage frei läuft, jedoch bei Betätigung des Pedals sofort greift.
5. Bremsflüssigkeit wechseln und System entlüften
Da Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist, bindet sie mit der Zeit Wasser, was zu Korrosion im inneren System führen kann. Ein periodischer Wechsel ist Pflicht.
- Wechsel der Flüssigkeit: Das alte Medium am Vorratsbehälter absaugen, neue Bremsflüssigkeit (entsprechend der Herstellerspezifikation) einfüllen und das System spülen.
- Entlüftungsreihenfolge: Grundsätzlich vom am weitesten entfernten Radbremszylinder zum kürzesten Weg (vom Rahmen bzw. Hauptbremszylinder weg) arbeiten.
- Entlüftungsvorgang: Einen transparenten Schlauch auf den Entlüftungsnippel des RBZ stecken, das Bremspedal mehrmals betätigen und bei getretenem Pedal den Nippel kurz öffnen, bis die Luftblasen entweichen. Dies so lange wiederholen, bis blasenfreie Bremsflüssigkeit austritt. Dabei den Füllstand im Vorratsbehälter kontinuierlich im Blick behalten.