Der IFA L60 wurde werkseitig in verschiedenen Ausführungen ausgeliefert. Während die Hochdruckbereifung (meist 8.25, 9.00-20 oder ähnliche Dimensionen) für den Einsatz auf befestigten Straßen und moderatem Untergrund optimiert ist, bietet die Niederdruckbereifung (oft als „Geländebereifung“ bezeichnet, z. B. 18/70-20 oder ähnliche Formate) erhebliche Vorteile im schweren Gelände durch eine vergrößerte Aufstandsfläche und die Möglichkeit zur Reifendruckregelung.
Der folgende Leitfaden fasst die technischen Anforderungen und notwendigen Arbeitsschritte für eine fachgerechte Umrüstung zusammen.
1. Technische Voraussetzungen und Komponenten
- Felgenwahl: Die standardmäßigen Felgen der Hochdruckbereifung sind in der Regel nicht für die breiteren Niederdruckreifen geeignet. Es müssen zwingend die entsprechenden Geländefelgen (oft mit Einpresstiefen, die eine Spurverbreiterung bewirken) verwendet werden.
- Reifendimension: Auswahl der Reifen nach Verwendungszweck (z. B. Stollenprofil für Schlamm/Sand). Achten Sie auf die Einhaltung der Traglastindizes (LI) und Geschwindigkeitskategorien (SI), die für das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs erforderlich sind.
- Reifendruckregelanlage (RDL): Prüfen Sie, ob Ihr Fahrzeug über eine funktionierende RDL verfügt. Bei einer Umrüstung muss sichergestellt werden, dass die Dichtungen und Leitungen der RDL mit den neuen Felgen kompatibel sind.
2. Prüfung der Fahrzeuggeometrie
- Freigängigkeit: Die Niederdruckreifen haben einen größeren Durchmesser und eine größere Breite. Es ist sicherzustellen, dass in allen Lenkeinschlagwinkeln und bei maximaler Verschränkung (Einfedern) ausreichend Freigang zu Karosserieteilen, Spurstangen und Rahmen besteht.
- Radabdeckung: Durch die größere Breite der Niederdruckreifen kann es vorkommen, dass das Reifenprofil über die Fahrzeugkontur hinausragt. Hier sind ggf. Radlaufverbreiterungen notwendig, um die gesetzlichen Anforderungen an die Radabdeckung zu erfüllen.
- Tachoangleichung: Aufgrund des geänderten Abrollumfangs der Reifen wird der Tacho falsche Werte anzeigen. Eine Angleichung des Tachometerantriebs oder eine Prüfung mittels GPS-Messung ist zwingend erforderlich.
3. Fahrwerk und Antrieb
- Übersetzung: Durch den größeren Raddurchmesser verlängert sich die Gesamtübersetzung des Antriebsstrangs. Dies führt zu einer Reduzierung der Zugkraft im Anfahrbereich und einem veränderten Schaltverhalten.
- Bremsanlage: Die größere rotierende Masse der Niederdruckräder kann die thermische Belastung der Bremsanlage bei Passfahrten oder häufigen Bremsvorgängen erhöhen. Der technische Zustand der Bremse sollte vor der Umrüstung geprüft werden.
4. Rechtliche Rahmenbedingungen
- Zulassung: In Deutschland ist eine Umrüstung von Reifen- und Felgengrößen eintragungspflichtig. Setzen Sie sich vorab mit einem amtlich anerkannten Sachverständigen (z. B. TÜV, Dekra) in Verbindung.
- Dokumentation: Idealerweise liegen für die Felgen und Reifen Gutachten oder Vergleichsnachweise vor (z. B. Auszüge aus der technischen Dokumentation des L60-Allrad-Modells). Eine Abnahme nach § 19 (2) oder § 21 StVZO ist in der Regel erforderlich.
Wichtige Sicherheitshinweise
- Anzugsmomente: Beachten Sie die vorgeschriebenen Anzugsmomente für die Radmuttern. Diese können sich je nach Felgentyp unterscheiden.
- Luftdruck: Niederdruckreifen erfordern ein anderes Druckmanagement. Der Betrieb mit zu hohem Druck auf der Straße führt zu erhöhtem Verschleiß, während ein zu niedriger Druck im Gelände die Gefahr des Entweichens der Luft (Reifen rutscht von der Felge) birgt.
- Gewicht: Berücksichtigen Sie, dass der Radwechsel aufgrund des deutlich höheren Gewichts der Niederdruckräder (Rad-Reifen-Kombination) deutlich kraftaufwändiger ist.
Hinweis: Dieser Leitfaden dient der allgemeinen Information. Bei konkreten Umbaumaßnahmen sind stets die geltenden Herstellerrichtlinien sowie die Vorgaben der regional zuständigen Prüforganisationen zu beachten.