Leitfaden: Ausbau, Instandsetzung und Montage des IFA Dieselmotors 4 VD 14,5/12-1 SRW

  • Der Vierzylinder-Viertakt-Dieselmotor 4 VD 14,5/12-1 SRW des IFA (Industrieverband Fahrzeugbau) ist ein wassergekühlter Reihenmotor mit Direkteinspritzung nach dem M-Verfahren (Mittenkugel-Brennraum). Er zeichnet sich durch hohe Robustheit aus, erfordert jedoch bei Demontage und Wiedermontage exakte handwerkliche Präzision und die Einhaltung spezifischer Einstellmaße.

    1. Vorbereitung und Ausbau des Motors

    Der Ausbau des Motors aus dem Fahrzeugchassis (z. B. IFA W50) erfordert eine systematische Trennung aller Versorgungsleitungen.

    • Flüssigkeiten ablassen: Kühlwasser am tiefsten Punkt des Kühlsystems (Kühler und Motorblock) vollständig ablassen. Motoröl an der Ölwanne ablassen.
    • Peripherie demontieren: Kühler, Luftansaugleitungen und Abgasanlage vom Motor trennen.
    • Elektrik und Kraftstoffsystem: Batterie trennen. Elektrische Anschlüsse (Anlasser, Lichtmaschine, Temperatur- und Öldruckgeber) kennzeichnen und demontieren. Kraftstoffvor- und -rücklaufleitungen absperren und lösen, Anschlüsse sofort mit Schutzkappen verschließen, um Schmutzeintrag zu verhindern.
    • Verbindung zum Getriebe: Kupplungsbetätigung trennen. Die Verbindungsschrauben zwischen Motorgehäuse (Schwungradgehäuse) und Getriebe sowie die Motorlagerungen lösen.
    • Heben: Motor an den dafür vorgesehenen Transportösen anschlagen und mit einem geeigneten Hebezeug (Kran/Motorkran) aus dem Fahrzeugrahmen heben.

    2. Komplette Zerlegung und Demontage

    Die Demontage sollte auf einem stabilen Montagebock erfolgen. Sauberkeit ist hierbei das oberste Gebot.

    Demontage der Anbauteile

    1. Lichtmaschine, Anlasser und Lüfterflügel entfernen.
    2. Einspritzleitungen und Einspritzdüsen (Düsenhalterkombinationen) ausbauen.
    3. Einspritzpumpe (EHP) nach Lösen der Befestigungsschrauben und der Antriebskupplung abnehmen.
    4. Wasserpumpe und Thermostatgehäuse demontieren.

    Demontage des Zylinderkopfes und des Kurbeltriebs

    1. Zylinderkopfhauben abnehmen, Kipphebelwellen demontieren und Stoßstangen herausziehen (Reihenfolge für den späteren Wiedereinbau markieren).
    2. Zylinderkopfschrauben über Kreuz von außen nach innen lösen. Zylinderköpfe (beim 4 VD paarweise zusammengefasst) abheben und Zylinderkopfdichtungen entfernen.
    3. Ölwanne und Ölpumpe demontieren.
    4. Pleuel- und Kolbendemontage: Ölkohlering am oberen Rand der Zylinderlaufbahnen entfernen. Pleuellagerdeckel kennzeichnen (sofern nicht bereits nummeriert), lösen und abnehmen. Kolben mit Pleuelstangen nach oben aus den Zylindern stoßen.
    5. Schwungrad und Kurbelwelle: Schwungrad blockieren, Befestigungsschrauben lösen und Schwungrad abziehen. Hauptlagerdeckel der Kurbelwelle kennzeichnen, lösen und Kurbelwelle vorsichtig herausheben.
    6. Zylinderlaufbuchsen (nasse Buchsen) mit einer geeigneten Ausziehvorrichtung aus dem Kurbelgehäuse ziehen.

    3. Wichtige Prüf- und Kontrollmaßnahmen

    Vor der Wiedermontage müssen alle Bauteile gereinigt und auf Verschleiß geprüft werden:

    • Zylinderlaufbuchsen: Prüfung auf Kavitation (Außenseite) sowie Verschleiß und Riefen (Innenseite). Das Spaltmaß/der Überstand der Buchsen zur Zylinderblockoberkante ist entscheidend für die spätere Dichtigkeit.
    • Kurbelwelle und Pleuel: Vermessen der Lagerzapfen auf Unrundheit und Verschleiß (Untermessung beachten). Rissprüfung durchführen.
    • Zylinderkopf: Prüfung auf Planheit (Verzug) und Rissfreiheit (insbesondere zwischen den Ventilsitzen). Ventile auf Dichtheit prüfen, ggf. neu einschleifen.

    4. Montage und Einbau

    Die Montage erfolgt in umgekehrter Reihenfolge der Demontage, wobei alle Gleitflächen vor dem Zusammenbau reichlich mit sauberem Motoröl zu versehen sind. Es sind grundsätzlich neue Dichtungen, Sicherungsbleche und Dehnbolzen (sofern vorgeschrieben) zu verwenden.

    Einbau der Zylinderlaufbuchsen und des Kurbeltriebs

    1. Laufbuchsen einsetzen: Die Gummidichtringe im Kurbelgehäuse trocken und drallfrei einlegen. Die Buchsen ohne Dichtringe einsetzen, um den Buchsenüberstand zu messen. Dieser muss 0,05 bis 0,12 mm über der Blockoberkante betragen, um eine korrekte Pressung der Zylinderkopfdichtung zu gewährleisten. Buchsen danach mit Dichtringen und Gleitmittel endgültig eindrücken.
    2. Kurbelwelle: Lagerschalen in Kurbelgehäuse und Lagerdeckel einlegen. Kurbelwelle einlegen, Lagerdeckel exakt positionieren und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment stufenweise von der Mitte nach außen anziehen. Axialspiel der Kurbelwelle prüfen.
    3. Kolben und Pleuel: Kolbenringe mittels Kolbenringzange montieren. Stöße der Kolbenringe um jeweils 120° versetzt anordnen. Kolben mittels Spannband in die Laufbuchsen einführen. Beim Aufsetzen der Pleuellagerdeckel auf die Zuordnung und Paarung achten.

    Montage der Zylinderköpfe

    1. Neue Zylinderkopfdichtungen trocken auflegen.
    2. Zylinderköpfe aufsetzen. Die Zylinderkopfschrauben müssen in einer exakt festgelegten Reihenfolge (spiralförmig von innen nach außen) und in mehreren Stufen (Voranzug, Hauptanzug) angezogen werden.

    5. Wichtige Anzugsdrehmomente (Richtwerte)

    Für die mechanische Stabilität und Verzugsfreiheit des Motors sind die Drehmomente zwingend einzuhalten:

    Kurbelwellenhauptlager220 – 240 NmIn Stufen anziehen
    Pleuellagerdeckel120 – 130 NmNeue Muttern/Schrauben verwenden
    Zylinderkopfschrauben

    1. Stufe: 60 Nm



    2. Stufe: 120 Nm



    3. Stufe: 170 – 180 Nm

    Nach ca. 15–20 Betriebsstunden im betriebswarmem Zustand nachziehen
    Schwungradbolzen190 – 210 NmÜber Kreuz anziehen, sichern
    Gegengewichte (Kurbelwelle)130 – 140 NmFalls demontiert
    Düsenhalter im Zylinderkopf60 – 70 NmGleichmäßig anziehen

    6. Einstellarbeiten und wichtige Beachtungspunkte

    Ventileinstellung

    • Das Ventilspiel muss bei kaltem Motor eingestellt werden.
    • Einstellwerte: * Einlassventil: 0,30 mm
      • Auslassventil: 0,40 mm
    • Vorgehensweise: Motor in Drehrichtung drehen, bis der jeweilige Zylinder auf Zünd-OT steht (Ventile überschneiden sich beim korrespondierenden Zylinder). Spiel zwischen Kipphebel und Ventilschaft mit Fühlerlehre prüfen und über die Einstellschraube korrigieren.

    Förderbeginn der Einspritzpumpe (Einspritzzeitpunkt)

    • Der statische Förderbeginn ist entscheidend für Leistung, Abgasverhalten und Motorlebensdauer.
    • Der Sollwert liegt bei 21° vor OT (je nach genauer Motorausführung und Einsatzzweck können leichte Abweichungen laut Handbuch vorliegen).
    • Zur Einstellung wird der erste Zylinder auf den entsprechenden Kurbelwinkel vor OT (Markierung auf der Schwungscheibe/Kurbelwellenriemenscheibe) gestellt. Mittels Steigrohrmethode (Kapillarrohr) am Druckventil der Einspritzpumpe wird der Punkt bestimmt, an dem der Kraftstoffspiegel zu steigen beginnt (Beginn der Förderung). Die Feinjustierung erfolgt über das Langloch der Antriebskupplung oder durch Verdrehen der Pumpe.

    Wichtige Praxishinweise ("Worauf zu achten ist")

    • Sauberkeit des Kraftstoffsystems: Das M-Verfahren reagiert empfindlich auf Ungenauigkeiten beim Spritzbild. Die Düsen müssen exakt auf den vorgeschriebenen Öffnungsdruck (ca. 175 + 5 bar) eingestellt sein und dürfen nicht nachtropfen.
    • Spaltmaß (Kolbenunterstand): Der Abstand zwischen Kolbenkrone (im OT) und Zylinderkopffläche muss den Vorgaben entsprechen, um die korrekte Verdichtung und das Funktionieren des M-Brennraums zu garantieren.
    • Ölbohrungen: Bei der Montage der Lagerschalen penibel darauf achten, dass die Ölbohrungen im Block mit den Bohrungen in den Schalen fluchten. Ein Blockieren der Bohrung führt unweigerlich zum Motorschaden.
    • Probelauf: Vor dem ersten Starten den Motor von Hand mehrmals durchdrehen, um mechanische Blockaden auszuschließen. Nach dem Starten sofort den Öldruck kontrollieren.