Leitfaden zum Wechsel und zur Einstellung des Wechselgetriebes beim IFA W50

  • Der Austausch und die anschließende Justierung des Schaltgetriebes beim Lastkraftwagen IFA W50 erfordern aufgrund der konstruktiven Gegebenheiten – insbesondere bei den allradgetriebenen Varianten (W50 LA) mit nachgeschaltetem Verteilergetriebe – eine präzise und systematische Vorgehensweise. Ein fehlerhafter Einbau oder eine ungenaue Einstellung der Schaltgestänge kann zu schweren Folgeschäden an den Synchronringen, den Schaltgabeln und den Zahnradpaarungen führen.

    1. Wichtige Sicherheitshinweise und Vorbereitungen

    • Fahrzeugsicherung: Das Fahrzeug ist gegen Wegrollen durch Unterlegkeile und Aktivieren der Feststellbremse zu sichern. Bei Arbeiten unter dem Fahrzeug ist eine tragfähige Absicherung (Grube oder stabile Unterstellböcke) zwingend erforderlich.
    • Gewichtskomponente: Das Getriebe des W50 besitzt ein erhebliches Eigengewicht. Der Aus- und Einbau darf nur mit geeigneten Hebezeugen (Getriebeheber, Kran oder stabilen Rangierwagenhebern mit entsprechender Aufnahme) durchgeführt werden.
    • Betriebsstoffe: Vor dem Ausbau ist das Getriebeöl vollständig an der Magnet-Ablassschraube abzuziehen. Dies reduziert das Gewicht und verhindert unkontrollierten Ölaustritt.

    2. Vorgehensweise beim Ausbau des Getriebes

    Der Ausbau gliedert sich in die Demontage der Peripherie und das eigentliche Absenken des Aggregats:

    1. Batterie trennen: Zur Vermeidung von Kurzschlüssen ist die Masseverbindung der Batterie zu trennen.
    2. Peripherie demontieren: * Tachowelle und ggf. elektrische Anschlüsse (z. B. für den Rückfahrscheinwerfer oder Allrad-Kontrollleuchten) abziehen.
      • Schaltgestänge und Geberzylinder bzw. mechanische Betätigungen der Kupplung trennen.
      • Luftleitungen (falls Nebenantriebe oder pneumatische Schaltungen vorhanden sind) kennzeichnen und demontieren.
    3. Kardanwellen flanschen: * Die Kardanwelle zum Motor (Zwischenwelle) sowie die Abtriebswellen (je nach Modell zu den Achsen oder zum Verteilergetriebe) am Getriebeflansch lösen.
      • Wellen gegen Herabfallen sichern (z. B. mit Draht am Rahmen abfangen).
    4. Kupplungsgehäuse trennen: Die Verbindungsschrauben zwischen dem Kupplungsgehäuse (Schwungradgehäuse des Motors) und dem Getriebegehäuse rundum entfernen.
    5. Getriebeaufhängung lösen: * Das Getriebe mit dem Getriebeheber aufnehmen und leicht anheben, um die Lagergummis und Halterungen zu entlasten.
      • Die Befestigungsschrauben der Getriebelagerung am Rahmen demontieren.
    6. Abziehen und Absenken: Das Getriebe vorsichtig horizontal nach hinten von der Kupplung wegbewegen, bis die Getriebeeingangswelle (Kupplungswelle) vollständig aus der Kupplungsscheibe und dem Führungslager in der Kurbelwelle herausgezogen ist. Danach das Getriebe langsam absenken.

    3. Vorgehensweise beim Einbau des Getriebes

    Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge, wobei auf folgende Kernpunkte zu achten ist:

    1. Prüfung vor dem Einbau: * Das Führungslager (Pilotlager) in der Kurbelwelle sowie der Zustand der Kupplungsverzahnung sind zu kontrollieren und minimal mit einem hochtemperaturbeständigen Mehrzweckfett (MoS2) zu schmieren.
      • Der Zustand des Ausrücklagers und der Ausrückgabel ist zu überprüfen.
    2. Ansetzen des Getriebes: Das Getriebe mittels Hebezeug exakt fluchtend zur Motorlängsachse anheben.
      • Wichtig: Die Getriebeeingangswelle muss absolut gerade in die Kupplungsnabe eingeführt werden. Ein Verkanten kann die Kupplungsscheibe irreversibel beschädigen oder das Pilotlager zerstören.
      • Falls die Verzahnung nicht sofort ineinandergreift, das Getriebe am Abtriebsflansch leicht von Hand drehen, bis die Prismenteilung fluchtet.
    3. Verschraubung: Getriebe vollständig an den Motorblock heranziehen und die Gehäuseschrauben über Kreuz gleichmäßig festziehen (vorgeschriebene Drehmomente beachten).
    4. Montage der Lagerung und Wellen: Getriebelager am Rahmen fixieren. Kardanwellen montieren, dabei auf den korrekten Sitz der Kreuzgelenke und die Fluchtung der Markierungen (Wuchtpunkte) achten.
    5. Anschlüsse wiederherstellen: Schaltgestänge, Tachowelle, Elektrik und Luftleitungen wieder montieren.
    6. Ölbefüllung: Vorgeschriebenes Getriebeöl (in der Regel Motorenöl der Viskosität SAE 30 bzw. SAE 40 nach DDR-Vorschrift, alternativ mild legiertes Getriebeöl SAE 80/90 GL-3/GL-4, je nach spezifischer Werksvorgabe und Einsatzzweck) bis zur Unterkante der Kontrollöffnung auffüllen.

    4. Einstellen des Schaltgestänges und der Schaltung

    Eine exakte Justierung ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Gänge vollflächig einrasten und nicht unter Last herausspringen.

    • Schaltwippe und Gestänge: Die Übertragung der Schaltbewegung vom Schalthebel im Fahrerhaus zum Getriebedeckel erfolgt über ein System aus Hebeln und Stangen.
    • Grundeinstellung:
      1. Das Getriebe manuell am Getriebedeckel in die Neutralstellung (Leerlauf) bringen.
      2. Den Schalthebel in der Kabine ebenfalls exakt in die mittlere Leerlaufposition (Gasse 3./4. Gang) stellen.
      3. Die Länge der Schaltstangen über die verstellbaren Gabelköpfe so anpassen, dass die Bolzen der Gabelköpfe ohne Spannung und ohne Kraftaufwand in die entsprechenden Hebel am Getriebe und der Schaltbockwelle gleiten.
    • Kontrolle der Schaltwege: Nach dem Sichern der Gabelköpfe und Kontermuttern sind alle Gänge (1. bis 5. Gang sowie Rückwärtsgang) bei stehendem Motor und getretener Kupplung durchzuschalten. Der Schalthebel darf dabei nicht an der Karosserie oder dem Motortunnel anschlagen. Die Schaltwege müssen in allen Richtungen gleichmäßig sein.
    • Einstellung der Schaltsperren: Falls vorhanden, sind die mechanischen Sperren für den Rückwärtsgang am Schaltbock so zu justieren, dass ein versehentliches Einlegen des Rückwärtsganges während der Vorwärtsfahrt wirksam verhindert wird.

    5. Wichtige Beachtungspunkte und Fehlerquellen

    Synchronisation schonen: Das W50-Getriebe ist ab dem 2. Gang synchronisiert. Beim Einbau ist streng darauf zu achten, dass die Schaltgabeln im Getriebedeckel beim Aufsetzen exakt in die Schiebemuffen eingreifen. Ein versetztes Aufsetzen zerstört den Schaltmechanismus beim ersten Schaltversuch.
    Dichtungen ersetzen: Die Papierdichtungen am Getriebedeckel sowie die Wellendichtringe (Simmerringe) am Antriebs- und Abtriebsflansch sollten im Zuge des Wechsels grundsätzlich erneuert werden, um späteren Ölverlust vorzubeugen.
    Entlüftung kontrollieren: Die Getriebeentlüftung (oben auf dem Gehäuse) muss sauber und durchgängig sein. Ist sie verstopft, baut sich bei Erwärmung ein Innendruck auf, der das Öl durch die Wellendichtringe drückt.