Die Lenkung des IFA W50 ist als mechanische Schnecken-Lenkung (Kugelumlauflenkung bzw. Gemmer-Lenkung, je nach Ausführung und Baujahr mit hydraulischer Unterstützung) ausgeführt. Ein präzise eingestelltes Lenkgetriebe ist entscheidend für die Verkehrssicherheit, die Spurtreue des Fahrzeugs und den Verschleiß der Reifen. Aufgrund der mechanischen Hebelkräfte und des Alters der Fahrzeuge erfordert das Einstellen der Lenkung eine systematische und fachgerechte Vorgehensweise.
Wichtige Grundlagen und Vorbereitungen
Bevor Einstellungen direkt am Lenkgetriebe vorgenommen werden, muss zwingend sichergestellt werden, dass das spürbare Spiel nicht durch andere Komponenten des Fahrwerks oder des Gestänges verursacht wird. Eine Nachstellung am Lenkgetriebe bei anderweitigen Mängeln führt zu erhöhtem Verschleiß bis hin zum Klemmen der Lenkung.
1. Fehlereingrenzung (Ausschussverfahren)
- Lenkgestänge und Gelenke: Die Kugelköpfe der Spurstange und der Lenkstange sind auf Spielfreiheit zu prüfen.
- Achsschenkelbolzen: Ein Höhen- oder Seitenspiel der Achsschenkelbolzen im Achskörper im angehobenen Zustand kontrollieren.
- Radlager: Zu großes Radlagerspiel simuliert ein Lenkungsspiel und muss vorab korrekt eingestellt werden.
- Befestigung des Lenkgehäuses: Die starre Verbindung zwischen dem Lenkgetriebe und dem Rahmen/Fahrerhausträger muss absolut spielfrei sein.
2. Prüfbedingungen
- Das Fahrzeug muss sich in Geradeausstellung befinden. Bei der Kugelumlauflenkung ist das Spiel in der Mittellage konstruktionsbedingt am geringsten (Sicherheitsaspekt). Zu den Einschlägen hin nimmt das Spiel bewusst leicht zu.
- Für die finale Einstellung und Prüfung ist die Vorderachse so aufzubocken, dass die Räder frei hängen, um die Leichtgängigkeit über den gesamten Lenkbereich ohne Last beurteilen zu können.
Schritt-für-Schritt-Vorgehensweise beim Einstellen
Das Lenkungsspiel wird primär im Lenkgetriebe selbst eingestellt. Hierbei gilt es, zwei Achsen zu beachten: Das axiale Spiel der Lenkwelle (Schneckenwelle) und das Spiel zwischen der Lenkschnecke und dem Lenksegment (Sektorwelle/Lenkstockhebelwelle).
Schritt 1: Prüfung des Axialspiels der Lenksäule
- Wird das Lenkrad leicht hin und her bewegt, darf sich die Lenkwelle nicht spürbar in axialer Richtung (rein und raus) bewegen.
- Korrektur: Ein vorhandenes Axialspiel der Schneckenwelle wird über die Einstellschraube bzw. das Druckstück am Gehäusedeckel (je nach Ausführung des Lenkgetriebes auch über Passscheiben unter dem Lagerdeckel) so einjustiert, dass die Welle spielfrei läuft, aber nicht klemmt.
Schritt 2: Einstellung des Flankenspiels (Eingriff von Segment und Schnecke)
Das eigentliche Lenkungsspiel in Mittellage wird durch die Zustellung der Segmentwelle zur Schnecke reguliert.
- Kontermutter lösen: An der Oberseite bzw. dem seitlichen Deckel des Lenkgehäuses befindet sich die zentrale Einstellschraube (oft als Schlitzschraube ausgeführt), die mit einer Kontermutter gesichert ist. Diese Kontermutter ist zu lösen, während die Einstellschraube fixiert wird.
- Einstellen in Mittellage: Das Lenkrad exakt in die Mitte bringen (Spur-Mittellage). Die Einstellschraube vorsichtig im Uhrzeigersinn hineindrehen. Dadurch wird das Segment tiefer in die Schnecke gedrückt und das Spiel verringert.
- Feingefühl beachten: Die Schraube darf nur so weit gedreht werden, bis ein spürbarer Widerstand auftritt. Ein zu festes Anziehen beschädigt die gehärteten Laufflächen der Schnecke und des Segments.
- Kontern: Unter Festhalten der Einstellschraube wird die Kontermutter wieder fest angezogen.
Schritt 3: Funktions- und Leichtgängigkeitsprüfung
- Das Lenkrad von Endanschlag zu Endanschlag drehen. Die Lenkung muss über den gesamten Bereich völlig frei von Klemmpunkten oder schwergängigen Abschnitten arbeiten.
- Besonders beim Übergang durch die Mittellage darf kein "Rucken" oder Blockieren spürbar sein. Ist dies der Fall, wurde die Einstellschraube zu weit hineingedreht oder die Schnecke ist in der Mittellage bereits ungleichmäßig verschlissen. In letzterem Fall ist ein Austausch der Bauteile unumgänglich.
Was gilt es zu beachten? (Sicherheitshinweise und Kriterien)
Wichtiger Sicherheitshinweis: Die Lenkung ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Fehlerhafte Einstellungen können zum Blockieren der Lenkung während der Fahrt führen. Im Zweifelsfall ist stets eine Fachwerkstatt oder entsprechendes Handbuchmaterial zu konsultieren.
- Verschleißgrenze im Fahrbetrieb: Das zulässige Lenkradspiel am Außenumfang des Lenkrades darf beim IFA W50 im betriebsbereiten Zustand (bei stehendem Motor und ohne Servounterstützung) maximal ca. 30 mm bis 40 mm (entspricht etwa zwei Fingerbreiten) betragen, bevor die Räder ansprechen.
- Schmierstoffkontrolle: Vor und nach dem Einstellen ist der Ölstand im Lenkgetriebegehäuse zu prüfen. Ein Mangel an hochviskosem Getriebeöl (Sorte beachten, meist SAE 90 oder zähflüssiges Fließfett je nach Wartungsvorgabe) führt zu rasantem Verschleiß der nachgestellten Flanken.
- Hydraulische Lenkhilfe (HLS): Bei Modellen mit hydraulischer Lenkunterstützung darf die Einstellung nur bei drucklosem System (Motor aus) vorgenommen werden. Das hydraulische Steuerventil darf durch die mechanische Nachstellung nicht in seiner Nullstellung beeinträchtigt werden.