Das wechselgetriebe des IFA W50 (Typ 5-Gang-Wechselgetriebe, synchronisiert mit Ausnahme des 1. Gangs und des Rückwärtsgangs) reagiert empfindlich auf Ungenauigkeiten in der Schaltmechanismus-Einstellung. Eine fehlerhafte Justierung führt zu unpräzisen Schaltwegen, erhöhtem Verschleiß an den Schaltgabeln und Synchronringen oder im schlimmsten Fall zum Herausspringen der Gänge unter Last.
Die folgende Anleitung beschreibt die systematische und fachgerechte Vorgehensweise zur mechanischen Einstellung des Schaltgestänges und der Schaltwege.
1. Relevante Komponenten und Funktionsprinzip
Die Übertragung der Schaltbewegung vom Schalthebel im Fahrerhaus zum Getriebe erfolgt über ein mechanisches Gestänge, das sowohl Dreh- (Wählbewegung) als auch Längsbewegungen (Schaltbewegung) übertragen muss. Wesentliche Bauteile sind:
- Schalthebel mit Kugelpfanne (Fahrerhaus)
- Schaltstangen mit integrierten Kreuz- oder Kugelgelenken zur Richtungsänderung
- Führungs- und Lagerböcke (am Rahmen bzw. Motor-Getriebe-Block)
- Schaltwelle (Schaltfinger) am Getriebeeingang
Vor jeder Einstellung ist zwingend zu prüfen, ob die Gelenke spielfrei sind. Verschlissene Buchsen oder ausgeschlagene Kreuzgelenke machen eine präzise Einstellung unmöglich und müssen vorab ersetzt werden.
2. Vorbereitende Maßnahmen
- Das Fahrzeug ist gegen Wegrollen zu sichern (Feststellbremse betätigen, Unterlegkeile anbringen).
- Das Getriebe manuell in die absolute Neutralstellung (Leerlauf) bringen. Dies wird am besten direkt am Getriebedeckel überprüft, indem sichergestellt wird, dass sich die Schaltstangen im Getriebegehäuse in der mittleren Rastung befinden.
- Das Fahrerhaus – je nach Ausführung (feststehend mit Motorabdeckung oder kippbar) – zugänglich machen, um freien Blick auf das Gestänge zu haben.
3. Schritt-für-Schritt-Vorgehensweise beim Einstellen
Die Einstellung erfolgt grundsätzlich von der Basis (Getriebe) hin zum Bedienelement (Schalthebel).
Schritt 3.1: Fixierung der Getriebeseite
- Die Klemmschrauben bzw. Justierelemente an den Übertragungsstangen (meist mit einer Klemmschelle oder über Gewindestücke mit Kontermuttern gelöst) werden gelockert, sodass das Gestänge vom Getriebeschaltfinger entkoppelt oder zumindest frei verschiebbar ist.
- Der Schaltfinger direkt am Getriebeeingang muss exakt in der Leerlaufgasse der Schaltebene 2./3. Gang positioniert sein.
Schritt 3.2: Arretierung des Schalthebels im Fahrerhaus
- Der Schalthebel im Fahrerhaus wird in die exakte Mittelstellung (Leerlaufgasse 2./3. Gang) gebracht.
- In dieser Position sollte der Schalthebel im rechten Winkel zur Schaltkonsole stehen. Bei vielen Ausführungen existiert eine werkseitige Fixierbohrung oder eine Lehre, mit der der Hebel in der mechanischen Nullstellung blockiert werden kann. Alternativ wird der Hebel exakt mittig im Schaltbild ausgerichtet und fixiert.
Schritt 3.3: Längeneinstellung des Gestänges (Schaltweg)
- Bei fixiertem Schalthebel und in Leerlauf befindlichem Getriebe wird nun die Länge der Schaltstange angepasst.
- Das Gewindestück bzw. die Schiebemuffe des Gestänges wird so eingestellt, dass die Verbindungbolzen oder Gelenkköpfe spannungsfrei und ohne zu drücken oder zu ziehen in die entsprechenden Bohrungen bzw. Hebel eingreifen.
- Nach dem spannungsfreien Einsetzen werden die Klemmschrauben oder Kontermuttern handfest beigezogen.
Schritt 3.4: Einstellung der Wählebene (Querbewegung)
- Die Querbewegung des Schalthebels steuert das Anwählen der verschiedenen Schaltgassen (1. Gang/Rückwärtsgang, 2./3. Gang, 4./5. Gang).
- Es muss sichergestellt werden, dass der volle Schwenkbereich des Schalthebels nach links und rechts symmetrisch auf die Schaltwelle übertragen wird.
- Wird der Schalthebel ganz nach links (Gasse 1./R-Gang) oder ganz nach rechts (Gasse 4./5. Gang) bewegt, darf das Gestänge nicht an Rahmen- oder Motorteilen anschlagen. Der Begrenzungspunkt muss im Getriebe (Endanschlag der Schaltwellenrastung) oder an den dafür vorgesehenen Anschlägen der Schaltkonsole liegen.
4. Wichtige Kriterien und Beachtungspunkte
Symmetrie der Schaltwege: Die Wege vom Leerlauf in den jeweils vorderen Gang (z.B. 3. Gang) und den hinteren Gang (z.B. 2. Gang) müssen am Schalthebel annähernd gleich lang sein. Ist der Weg in eine Richtung spürbar kürzer, stimmt die axiale Grundlänge des Gestänges nicht.
Rastierung prüfen: Das Getriebe verfügt über eine interne Kugelrastierung für die Gänge. Nach dem Einstellen muss spürbar sein, dass die Gänge mechanisch im Getriebe einrasten, bevor der Schalthebel den mechanischen Anschlag im Fahrerhaus berührt. Das Gestänge darf die Schaltgabeln im Fahrbetrieb nicht unter Dauerdruck halten.
Konterung und Sicherung: Alle gelösten Verbindungen, insbesondere die Klemmschellen der Schaltstangenrohre und die Kontermuttern der Kugelköpfe, müssen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen werden. Fehlende Sicherungselemente (Splinte, Sicherungsbleche an den Gelenken) sind zwingend zu ersetzen.
5. Funktionsprüfung
Nach erfolgter Montage und Festlegung aller Komponenten ist eine umfassende Funktionsprüfung bei ausgeschaltetem Motor durchzuführen:
- Alle Gänge müssen sich leichtgängig, ohne Hakeln und mit klar definierten Rastpunkten durchschalten lassen.
- Besonders die Gassenwechsel (Querbewegung des Hebels) müssen fließend und ohne Blockaden erfolgen.
Im Anschluss erfolgt eine Probefahrt unter Last. Hierbei ist darauf zu achten, ob die Gänge auch bei Lastwechseln (Gasgeben und Gaswegnehmen) sicher in Position bleiben und keine abnormalen Vibrationen auf den Schalthebel übertragen werden, was auf ein stramm sitzendes, nicht entlastetes Gestänge hindeuten würde.