Der IFA W50 ist ein bewährter, robuster Allrounder, der sich durch einfache Technik auszeichnet. Dennoch erfordert die Anschaffung eines historischen Nutzfahrzeugs dieses Typs einen genauen Blick auf spezifische Schwachstellen und typische Problemzonen, um spätere Enttäuschungen und hohe Folgekosten zu vermeiden.
Technische Substanz und Motorisierung
- Thermische Probleme: Der 4-Zylinder-Dieselmotor (4 VD 14,5/12-1 SRW) neigt bei hoher Last oder langen Bergfahrten zu thermischen Defiziten. Bei einer Probefahrt sollte das Kühlsystem genau beobachtet werden. Eine Modernisierung des Kühlsystems ist für längere Reisen dringend zu empfehlen.
- Zylinderkopfdichtung: Dies ist eine bekannte Schwachstelle. Es sollte geprüft werden, ob bereits modernisierte, verstärkte Dichtungen verbaut wurden, um den Belastungen dauerhaft standzuhalten.
- Vibrationen und Materialermüdung: Durch das charakteristische Vibrationsverhalten des 4-Zylinders neigen Leitungen, Halterungen und Schraubverbindungen zu Lockerungen oder Brüchen. Hier ist eine regelmäßige Kontrolle der Peripherie notwendig.
Bremsanlage und Fahrwerk
- Bremsflüssigkeit (DOT 3): Die originale Bremsanlage des W50 ist konstruktiv auf DOT 3 ausgelegt. Die Verwendung falscher Flüssigkeiten beschädigt die Dichtungen. Ein Nachweis über die regelmäßige Wartung und die richtige Spezifikation ist beim Kauf ein wichtiges Kriterium.
- Allradsystem und Sperren: Bei Allradmodellen (W50 LA) ist die Funktion der 100%-Sperren für die Vorderachse, die Hinterachse und das Getriebe zwingend im Stand und unter leichter Last zu prüfen. Defekte an den pneumatischen Schaltungen sind im Nachgang oft aufwändig zu reparieren.
Rahmen, Karosserie und Standschäden
- Rost und Rahmenzustand: Der Rahmen sollte intensiv auf Risse (besonders im Bereich der Achsaufhängungen und Getriebehalterungen) und Durchrostungen untersucht werden.
- Fahrerhaus: Typische Rostnester befinden sich an den Einstiegen, den Radläufen, unter den Fußmatten und an den unteren Kanten der Türen sowie der Rückwand.
- Standschäden: Da viele Fahrzeuge lange Zeiten ungenutzt standen, sind verhärtete Simmerringe, festsitzende Bremszylinder und poröse Reifen an der Tagesordnung. Eine komplette Durchsicht der Gummiteile und Dichtungen steht nach dem Kauf meist an.