Erforderliche Werkzeuge und Vorbereitungen
Für die präzise Einstellung des Förderbeginns (FB) beim 6-Zylinder-Dieselmotor des IFA L60 sind spezifische Hilfsmittel bereitzustellen:
- Ein passendes Kapillar- oder Tropfrohr (Überlaufmethode) für den ersten Zylinder oder ein geeigneter Messgeräte-Adapter für die Einspritzpumpe (ESP).
- Schlüssel- und Nuss-Satz (unter anderem SW 17 für die Pumpenbefestigung).
- Drehmomentschlüssel.
- Sauberkeitstücher und Bremsenreiniger zur Vermeidung von Schmutzeintrag in das Kraftstoffsystem.
- Das Fahrzeug muss auf ebener Fläche stehen; der Motor ist im kalten Zustand zu bearbeiten.
Schritt-für-Schritt-Vorgehensweise
- 1. Zylinder auf Zünd-OT stellen: Den Motor an der Kurbelwelle im Uhrzeigersinn drehen, bis der Kolben des ersten Zylinders im Verdichtungstakt kurz vor dem oberen Totpunkt (OT) steht. Die Markierungen auf der Schwungscheibe exakt mit der Gehäusemarkierung zur Deckung bringen.
- 2. Anschluss vorbereiten: Die Druckleitung des ersten Zylinders an der Einspritzpumpe demontieren. Das Druckventil beziehungsweise das Schnarrventil vorsichtig herausnehmen (Dichtungen und Federn sauber sichern), den Anschlussstutzen wieder aufschrauben und das Tropfrohr anbringen.
- 3. Förderbeginn ermitteln: Die Regelstange der Pumpe auf Volllaststellung bringen. Den Motor langsam weiter in Drehrichtung bewegen, bis der Kraftstofffluss im Tropfrohr zum Erliegen kommt beziehungsweise der Meniskus einfriert. Dies markiert den exakten Moment des beginnenden Förderhubs.
- 4. Abgleich mit den Sollwerten: Die Position auf der Kurbelwellen-Skala ablesen und mit den Herstellervorgaben für den L60 (je nach Ausführung meist ein spezifischer Grad-Wert vor OT) abgleichen. Weicht der Wert ab, müssen die Befestigungsschrauben der Einspritzpumpe an den Langlöchern des Flansches gelöst werden.
- 5. Korrektur vornehmen: Die Pumpe minimal verdrehen – bei Verstellung vom Motor weg erfolgt der Förderbeginn früher, zum Motor hin später. Den Vorgang des Drehens und Ablesens solange wiederholen, bis der vorgeschriebene Sollwert exakt erreicht ist. Abschließend alle Befestigungsschrauben mit dem vorgegebenen Drehmoment anziehen.
Wichtige Beachtungen und Fehlerquellen
- Sauberkeit ist essenziell; kleinste Schmutzpartikel im Bereich der Druckventile führen zu sofortigen Undichtigkeiten oder Funktionsstörungen der Einspritzelemente.
- Nach dem Zusammenbau muss das Kraftstoffsystem sorgfältig entlüftet werden, bis an allen Einspritzdüsen blasenfreier Kraftstoff austritt.
- Ein zu früh eingestellter Förderbeginn führt zu harten Verbrennungsgeräuschen und thermischer Überlastung, ein zu späten Wert erkennt man an Leistungsmangel, erhöhtem Kraftstoffverbrauch und starker Rauchentwicklung.