Der 6-Zylinder-Reihendieselmotor 6VD 13,5/12 des IFA LKW L60 arbeitet mit einem Direkteinspritzverfahren. Der korrekte Zustand des Einspritzsystems ist essenziell für die thermische Belastbarkeit des Motors, saubere Abgaswerte und einen ruhigen Lauf. Verschleiß an den Düsen führt beim L60 schnell zu unrundem Leerlauf, weißem oder schwarzem Rauch und Leistungsabfall.
Verwendete Einspritzdüsen und Marktübersicht
- Originale Ausführung: Im L60 kommen serienmäßig mehrloch-Zapfendüsen oder Lochdüsen zum Einsatz, die spezifisch auf die Kammerform des 6VD-Motors abgestimmt sind.
- Ersatzteilmarkt: Originale DDR-Lagerbestände (NOS) sind am Markt verfügbar, werden jedoch zunehmend durch Nachbauten namhafter Hersteller (wie Bosch oder Lizenzproduktionen) ergänzt. Beim Kauf ist zwingend auf die exakte Düsenbezeichnung und die Lochgeometrie zu achten, da falsche Spritzwinkel zu Kolbenschäden führen können.
Aus- und Einbau beim IFA L60
- Vorbereitung: Den Motorbereich um die Düsenhalter am Zylinderkopf gründlich mit Druckluft und Reiniger von Straßenschmutz befreien, damit beim Herausziehen kein Dreck in den Brennraum fällt.
- Ausbau: Die Kraftstoff-Hochdruckleitungen an Einspritzpumpe und Düsenhalter lösen und abnehmen. Die Leckölleitungen entfernen. Anschließend die Spannpratzenmuttern der Düsenhalter gleichmäßig lösen. Den Düsenhalter herausziehen; sitzt er durch Ölkohle fest, darf er nur vorsichtig mit leichten Drehbewegungen und passenden Werkzeugen gelöst werden – niemals rohe Gewalt anwenden, um den Düsenkörper nicht zu beschädigen. Die alten Kupferdichtringe und Flammscheiben restlos aus dem Schacht entfernen.
- Einbau: Den Dichtsitz im Zylinderkopf mit einer Drahtbürste penibel säubern. Stets neue Kupferdichtringe verwenden. Den Düsenhalter mit neuer Dichtung einsetzen, die Pratzen auflegen und die Muttern gleichmäßig überkreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen, um Verzug zu vermeiden. Danach die Hochdruckleitungen spannungsfrei montieren.
Einstellen und Abdrücken der Einspritzdüsen
- Abdrücken auf dem Prüfstand: Der Düsenhalter wird auf einem manuellen Düsenprüfstand mit genormtem Prüföl verschraubt, um die Kernparameter zu ermitteln:
- Öffnungsdruck: Der vorgeschriebene Öffnungsdruck muss exakt eingehalten werden (Vorgaben aus dem Werkstatthandbuch für den 6VD 13,5/12 beachten).
- Spritzbild: Der Kraftstoff muss als feiner, gleichmäßiger Kegel austreten, ohne dass einzelne Strahlen abweichen oder nachtropfen.
- Geräusch: Beim Betätigen muss ein sauberes, schnarrendes Geräusch der Düsennadel hörbar sein.
- Einstellen: Weicht der Öffnungsdruck ab, wird dieser durch den Austausch von passenden Ausgleichsscheiben (Shims) im Inneren des Düsenhalters korrigiert, bis der Sollwert exakt erreicht ist.