Die ungarische Fachwelt und politische Führung wurden auf den IFA W50 durch eine unkonventionelle und aufsehenerregende Vorführung aufmerksam. In den 1960er Jahren suchte Ungarn nach zuverlässigen Transportmitteln für Landwirtschaft, Bauwesen und das Militär im Rahmen der RGW-Integration. Um die Leistungsfähigkeit des neuen DDR-Lastkraftwagens aus Ludwigsfelde zu demonstrieren, war eine offizielle Präsentation geplant.
Die spontane Aktion im Stadion Der Wendepunkt in der Wahrnehmung des Fahrzeugs ereignete sich bei einer Demonstration in einem Stadion. Allerdings war diese spektakuläre Einlage so ursprünglich gar nicht geplant. Die Fahrt über die Treppenstufen und Beton-Sitzreihen der Zuschauertribüne ging auf die Eigeninitiative eines Mitarbeiters zurück, der sich ein Herz fasste und den Lkw spontan so präsentierte, um das Potenzial des Allradantriebs und der Robustheit radikal unter Beweis zu stellen.
Ärger mit der Staatssicherheit und der Wandel zum Erfolg Diese eigenmächtige Aktion sorgte zunächst für erhebliche Aufregung: Die anwesende Staatssicherheit war über diesen unkoordinierten und risikoreichen Alleingang gar nicht erfreut. Doch angesichts des durchschlagenden Erfolgs dieser spektakulären PR-Aktion – dem sogenannten „Coup“ – und der darauffolgenden großen Lkw-Verkäufe nach Ungarn sah man letztlich von Bestrafungen ab.
Nachhaltige Präsenz und Irrglauben in der Bevölkerung Die außergewöhnliche Darbietung hinterließ bei den ungarischen Delegierten einen bleibenden Eindruck. Der IFA W50 etablierte sich in der Folgezeit in so massivem Umfang im ungarischen Straßen- und Arbeitsbild, dass dies bis heute spürbar ist: Noch immer glauben viele Menschen in Ungarn fälschlicherweise, dass der IFA W50 einheimischer Produktion stammt und direkt aus Ungarn kommt, so tief verwurzelt ist seine Präsenz im kollektiven Gedächtnis des Landes.