Der IFA W50 ist ab Werk mit einem direkt vom Motor angetriebenen Einzylinder-Luftpresser des Typs HS 40 ausgerüstet. Für viele Anwendungen im Serienzustand ist dessen Förderleistung ausreichend. Bei modernem Einsatz – etwa als Fernreisemobil mit hohem Luftbedarf für Reifendruckregelanlagen, Druckluftwerkzeuge oder schnellere Füllzeiten externer Verbraucher – stößt die originale Anlage jedoch an ihre Grenzen. Der Einbau eines elektrischen Zusatzkompressors wie des Viair 480C bietet hier eine praxisnahe Erweiterung.
Eigenschaften und Charakteristika des originalen Kompressors HS 40
Der HS 40 ist als robuster, mechanisch angetriebener Kolbenkompressor konzipiert:
- Antrieb & Bauart: Direkt über den Motor (Kurbelwelle/Steuertrieb) angetrieben, abhängig von der Motordrehzahl.
- Kühlung & Schmierung: Der Kompressorblock ist an den Ölkreislauf des W50-Motors (4 VD 14,5/12-1 SRW) angeschlossen und wird über das Kühlwassersystem des Motors gekühlt.
- Leistungsdaten: Er erzeugt kontinuierlich Druckluft, solange der Motor läuft. Die Volumenausbeute ist bei niedrigen Standgasdrehzahlen überschaubar und steigt erst mit höherer Motordrehzahl deutlich an.
- Reparaturmöglichkeiten: Der HS 40 zeichnet sich durch extrem hohe Servicefreundlichkeit aus. Verschleißteile wie Kolbenringe, Ventilplatten, Dichtungen oder Zylinderlaufbuchsen sind als Ersatzteile erhältlich oder regenerierbar. Ein mechanischer Überholungsaufwand lässt sich mit Standardwerkstattmitteln durchführen.
Technische Daten und Rolle des Viair 480C
Der Viair 480C ist ein Hochleistungskompressor auf 12V- oder 24V-Basis (für den W50 ist zwingend die 24V-Variante zu wählen):
- Funktionsweise: Elektrisch angetriebener, trockenlaufender (ölfreier) Kolbenkompressor.
- Leistung: Liefert eine von der Motordrehzahl unabhängige Abgabeleistung (maximaler Arbeitsdruck bis zu 13,8 bar / 200 PSI) bei einer Einschaltdauer von 100 % bei 7 bar (100 PSI).
- Vorteil: Kann auch bei stehendem oder im Standgas laufendem Motor verlässlich Druckluft nachfördern, ohne dass die Motordrehzahl angehoben werden muss.
Integration und Zusammenspiel der Systeme
Um den Viair 480C sinnvoll in das bestehende Druckluftsystem des IFA W50 einzubinden, müssen beide Einheiten korrekt verschaltet werden:
- Pneumatische Einbindung:
- Der Viair 480C sollte parallel zum HS 40 über ein Rückschlagventil in die Druckleitung vor dem Druckregler bzw. der Lufttrockneranlage/Mehrkreisschutzventil eingespeist werden.
- Das Rückschlagventil verhindert, dass Druckluft vom elektrischen Kompressor zurück in den stillstehenden HS 40 strömt (oder umgekehrt).
- Elektrische Ansteuerung:
- Der Viair 480C benötigt einen eigenen Druckschalter (z. B. Einschaltpunkt 6 bar, Ausschaltpunkt 8 bar, passend zum Betriebsdruck der W50-Anlage) sowie ein Hochstrom-Relais.
- Ein manueller Unterbrecherschalter im Fahrerhaus ist empfehlenswert, um den Zusatzkompressor bei Bedarf vollständig abzuschalten.
- Thermische Entlastung & Wartung:
- Der Viair 480C muss an einem gut belüfteten, spritzwassergeschützten Ort montiert werden.
- Der integrierte Luftfilter des Viair sollte regelmäßig gereinigt werden.
- Im Gegensatz zum HS 40 ist der Viair 480C wartungsarm, besitzt aber eine begrenzte Lebensdauer der Kohlebürsten und Kolbensegmente. Bei Defekten am Viair erfolgt der Austausch meist modular (Ersatzteile wie Relais, Check-Valves oder Ersatzkolben sind separat verfügbar).
Durch die Kombination beider Systeme bleibt die originale, hochzuverlässige Basis des HS 40 voll erhalten, während der Viair 480C Spitzenlasten abfängt und die Füllzeiten der Druckluftkessel drastisch verkürzt.