W50-Entstehungsvorgeschichte in Werdau: Von den Anfängen des „W45“ bis zur Verlagerung nach Ludwigsfelde
1. Politischer Ausgangspunkt und Initiative
Im März 1962 forderte Walter Ulbricht auf dem VII. Deutschen Bauernkongress einen allradgetriebenen LKW der 3,5 t-Klasse für die Landwirtschaft. Die neu gebildeten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) benötigten dieses Fahrzeug für die nunmehr große Flächenwirtschaft als Grundausstattung.
In Werdau erfasste Betriebsdirektor Kohl die Situation sofort und versicherte in einem Brief an Walter Ulbricht, dass Werdau diese Forderung erfüllen und auch in wenigen Wochen Funktionsmuster zur Verfügung stellen kann. Der Parteivorsitzende legte noch während des Kongresses, ohne Abstimmung mit der Staatlichen Plankommission und dem Landwirtschaftsministerium, fest, dass Werdau sofort handeln soll.
2. Entwicklung, Benennung und Vorstellung der Prototypen
Die ersten Prototypen bzw. Funktionsmuster dieses Fahrzeugs wurden als W45 bezeichnet. Dabei stand das „W“ für den Entwicklungsstandort Werdau und die Zahl „45“ für 45 Dezitonnen, was einer Nutzlast von 4.500 kg entspricht.
Nach Tag- und Nachtarbeit stand ein erstes Funktionsmuster nach vier Wochen zur Vorführung bereit:
- 18. April 1962: Das Fahrzeug wurde in Potsdam-Bornim einem erlauchten Kreis von Ministern und Staatssekretären von den Werdauern vorgestellt. Alle Gegenargumente wurden entkräftet und der Bau des LKW beschlossen.
- 15. September 1962: In einer ungeheuren Kraftanstrengung wurden bis zu diesem Datum fünf weitere Fahrzeuge gebaut, um das Fahrzeug noch 1962 in der Landwirtschaft erproben zu können.
- Für die Serienreife wurde nun das 2. bis 4. Quartal 1962 festgelegt. Alle Werdauer waren hoch motiviert, sahen sie doch jetzt eine echte Perspektive für ihr Werk.
3. Standortverlagerung und Serienproduktion
Am 21. Dezember 1962 fasste, zur großen Enttäuschung der Werdauer Autobauer, der Ministerrat den Beschluss, den LKW W50 im Industriewerke Ludwigsfelde zu bauen. Die SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) sah sich wegen der Konzentration der PKW-Produktion (Trabant) in ihrem Bezirk außerstande, die Voraussetzungen für eine große LKW-Produktion zu schaffen.
Am 17. Juli 1965 verließ schlussendlich der erste NKW W 50 das Montageband in Ludwigsfelde.