Funktion und Fehlerbild
Der pneumatische Stellzylinder erhält bei Betätigung des Schalters im Fahrerhaus Druckluft aus der Bremsanlage. Diese Luft drückt den Kolben gegen die Kraft einer Rückholfeder, wodurch der Allradantrieb eingekuppelt wird.
Typische Symptome eines Defekts:
- Kein Kraftschluss: Der Allradantrieb lässt sich nicht einlegen.
- Druckverlust: Bei Betätigung zischt es deutlich am Getriebe (Dichtung defekt).
- Schwergängigkeit: Der Allradantrieb schaltet nicht sauber oder bleibt hängen.
Anleitung zur Instandsetzung
Die Überholung des Luftzylinders ist mit handwerklichem Geschick und gängigem Werkzeug möglich.
1. Demontage
- System drucklos machen: Entleeren Sie den Luftdruckkessel, um ein unkontrolliertes Entweichen von Druckluft zu verhindern.
- Anschlüsse lösen: Trennen Sie die Druckluftleitung zum Zylinder.
- Ausbau: Lösen Sie die Befestigungsschrauben am Getriebegehäuse und entnehmen Sie den Zylinder vorsichtig aus der Aufnahme.
2. Zerlegung und Reinigung
- Schrauben Sie den Zylinderkopf ab. Vorsicht: Oft steht die interne Rückholfeder unter Spannung.
- Entnehmen Sie den Kolben. Prüfen Sie die Zylinderinnenwand auf Riefen oder Korrosionsnarben. Leichte Ablagerungen können mit feinem Schleifvlies (Körnung 1000+) geglättet werden. Bei tiefen Riefen ist der Zylinder oft nicht mehr dauerhaft dicht zu bekommen.
- Reinigen Sie alle Metallteile gründlich von verharztem Fett und Rost.
3. Dichtungserneuerung
- Der entscheidende Schritt ist der Austausch der Kolbenmanschette. Da die Original-Gummiteile aus DDR-Produktion oft spröde sind, sollte zwingend ein moderner Reparatursatz mit aktuellen Dichtringen aus öl- und luftbeständigem Material (z.B. NBR) verwendet werden.
- Fetten Sie den neuen Dichtring und die Zylinderlaufbahn leicht mit einem geeigneten Druckluft-Armaturenfett ein, um die Lebensdauer zu erhöhen und die Leichtgängigkeit zu gewährleisten.
4. Montage und Prüfung
- Setzen Sie den Kolben vorsichtig ein, um die Lippe der Dichtmanschette nicht zu beschädigen.
- Verschließen Sie den Zylinder wieder. Achten Sie auf den festen Sitz der Gehäusedichtungen.
- Funktionstest: Vor dem finalen Einbau am Fahrzeug empfiehlt sich ein Test mit externer Druckluftquelle, um sicherzustellen, dass der Kolben bei ca. 4–6 bar sauber ausfährt und nach dem Entlüften durch die Federkraft wieder in die Ausgangsstellung zurückkehrt.
Wichtige Wartungshinweise
Um Defekte am Luftzylinder langfristig zu vermeiden, ist eine regelmäßige Entwässerung der Druckluftkessel essenziell. Korrosion im System entsteht fast ausschließlich durch Kondenswasser, das über die Leitungen in die Arbeitszylinder gelangt.
Sicherheitshinweis: Arbeiten an der Druckluftanlage des IFA W50 sind sicherheitsrelevant, da diese Anlage direkt mit dem Bremssystem gekoppelt ist. Achten Sie nach der Montage unbedingt auf absolute Dichtheit, um den Betriebsdruck der Bremsanlage nicht zu gefährden.