Das System stellt hohe Anforderungen an den Zustand, die Einstellung und die Geometrie der Einspritzkomponenten, da das Zusammenspiel aus Luftwirbel und Kraftstoffstrahl entscheidend für Leistung, Verbrauch und Emissionswerte ist.
1. Demontage und Ausbau der Düsenstöcke
Vor dem Öffnen des Kraftstoffsystems muss der gesamte Bereich um die Zylinderköpfe gründlich gereinigt werden, um das Eindringen von Schmutz in die offenen Kanäle zu verhindern.
Arbeitsschritte beim Ausbau:
- Druckrohrleitungen demontieren: Die Hochdruckleitungen paarweise ausbauen. Beim Lösen der Überwurfmuttern an der Einspritzpumpe und am Düsenhalter ist zwingend mit einem passenden Schlüssel gegenzuhalten, um ein Verdrehen oder Beschädigen der Anschlussstutzen zu vermeiden.
- Leckölleitungen entfernen: Die Rücklaufleitungen (Leckölbrücke) demontieren.
- Öffnungen verschließen: Alle offenen Anschlüsse an Pumpe, Leitungen und Düsenstöcken sofort mit sauberen Schutzkappen versehen.
- Befestigung lösen: Die Düsenstöcke sind mittels Spannpratzen auf dem Zylinderkopf fixiert. Die Befestigungsmuttern der Pratzen gleichmäßig abwechselnd lösen.
- Ausziehen des Düsenstocks: Festgebackene Düsenstöcke dürfen nicht durch seitliche Hebelwerkzeuge gelöst werden, da dies den Schacht im Zylinderkopf beschädigen kann. Es ist ein passender Gleithammer (Schlagabzieher) zu verwenden, der auf das Anschlussgewinde des Düsenhalters aufgeschraubt wird.
Wichtig beim Ausbau: Am Grund des Düsenschachtes befindet sich eine Kupferdichtscheibe. Verbleibt diese beim Herausziehen im Zylinderkopf, muss sie vor dem Einbau von Neuteilen mit einem geeigneten Drahthaken rückstandsfrei entfernt werden.
2. Zerlegung und Demontage des Düsenstocks
Die Zerlegung darf nur auf einem sauberen Arbeitsplatz und unter Verwendung von weichen Spannbacken (Aluminium oder Kupfer) erfolgen.
Ablauf der Zerlegung:
- Einspannen: Den Düsenhalter mit der Düsenkuppe nach oben im Schraubstock fixieren.
- Düsenspannmutter lösen: Die Düsenspannmutter mit einer passenden Steckleitung oder einem Ringschlüssel abschrauben.
- Komponenten entnehmen: Einspritzdüse (bestehend aus Düsenkörper und Düsennadel), Druckbolzen, Druckfeder und die Einstellscheiben für den Öffnungsdruck entnehmen.
Wichtig zur Bauteilzuordnung: Düsennadel und Düsenkörper sind als Paarung mikrometergenau aufeinander eingeschliffen. Sie dürfen niemals untereinander oder mit Teilen anderer Zylinder vertauscht werden. Alle Teile sind streng zylinderweise abzulegen.
3. Prüfung und Reinigung
- Reinigung: Alle Komponenten in sauberem Prüföl oder Dieselkraftstoff reinigen. Verkokungen an der Düsenkuppe ausschließlich mit einer Messingdrahtbürste oder einem Holzschaber entfernen. Harte Stahlwerkzeuge (wie Schraubendreher oder Drahtbürsten aus Stahl) beschädigen die feinen Spritzbohrungen und die Düsenkuppe.
- Gleitprüfung: Die gereinigte Düsennadel muss, in den zu ca. 45 Grad geneigten Düsenkörper eingesetzt, allein durch ihr Eigengewicht leicht und ohne zu haken in ihren Sitz gleiten.
4. Montage des Düsenstocks und Einbau der Einspritzdüsen
Vor dem Zusammenbau sind alle inneren Bauteile des Düsenstocks mit sauberem Prüföl oder Kraftstoff zu benetzen.
Montage des Düsenhalters:
- Komponenten einsetzen: Ausgleichsscheiben, Druckfeder und Druckbolzen in das Gehäuse einführen.
- Düsenpositionierung: Die Einspritzdüse exakt auf die vorgesehenen Passstifte (Arretierstifte) des Düsenhalters aufsetzen. Ein Versatz führt zur Zerstörung der Stifte beim Anziehen.
- Anzugsdrehmoment: Die Düsenspannmutter ansetzen und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festziehen (Richtwert je nach Ausführung des Halters: 70 bis 90 Nm). Ein zu hohes Drehmoment führt zur Deformation des Düsenkörpers und blockiert die Düsennadel.
Einbau in den Zylinderkopf:
- Schachtreinigung: Der Sitz im Zylinderkopf muss absolut sauber, rußfrei und plan sein.
- Neue Dichtung: Es ist ausnahmslos eine neue Kupferdichtscheibe zu verwenden. Gebrauchte Scheiben sind durch die vorherige Pressung kaltverfestigt und dichten den Verbrennungsraum nicht mehr zuverlässig ab.
- Gleichmäßiges Festziehen: Den Düsenstock in den Schacht einsetzen und die Muttern der Spannpratze gleichmäßig und stufenweise über Kreuz anziehen, um ein Verkanten des Düsenstocks zu verhindern. Ungleichmäßiger Zug führt zu thermischen Spannungen im Betrieb.
5. Einstellarbeiten und Funktionsprüfung
Die primäre Einstellung des Abspritzdrucks erfolgt vor dem Motoreneinbau auf einem handbetätigten Düsenprüfstand.
Kriterien auf dem Prüfstand:
- Öffnungsdruck (Abspritzdruck): Der Druck wird über die Dicke der Einstellscheiben im Düsenhalter reguliert. Eine dickere Scheibe erhöht die Federvorspannung und damit den Öffnungsdruck, eine dünnere Scheibe senkt ihn. Der genaue Sollwert ist gemessen am jeweiligen Ausführungsstand des Motors (Vorgabe laut Werkstatthandbuch für den spezifischen Düsentyp des 6VD 13,5/12) exakt einzustellen.
- Strahlbild: Die Düse muss bei zügiger Betätigung des Prüfhebels den Kraftstoff fein und gleichmäßig zerstäuben. Es dürfen keine sichtbaren Kraftstofffäden, ungleichmäßigen Kegel oder einseitigen Spritzverzüge auftreten.
- Schnarrverhalten: Eine funktionstüchtige Düse zeigt bei langsamer Hebelbewegung ein akustisch deutliches, vibrierendes Schnarren.
- Dichtheitsprüfung (Nachtropfen): Bei einem Druck von ca. 10 bar unterhalb des eingestellten Öffnungsdrucks darf innerhalb von 10 Sekunden kein Kraftstofftropfen von der Düsenkuppe abfallen. Die Düse muss trocken bleiben.
Arbeiten nach dem Einbau:
Nach der Montage aller Kraftstoffleitungen ist die Kraftstoffanlage über die Handpumpe der Einspritzpumpe sorgfältig zu entlüften. Die Überwurfmuttern an den Düsenstöcken bleiben zunächst leicht gelöst, bis dort kraftstoffblasenfreie Flüssigkeit austritt. Erst dann erfolgt das finale Festziehen der Leitungen.