Der IFA Dieselmotor 6 VD 13,5/12 SRF: Leitfaden für Demontage, Montage und Instandsetzung

  • Der IFA Sechszylinder-Dieselmotor vom Typ 6 VD 13,5/12 SRF (mit dem hochentwickelten SRF-Verfahren – M-Verfahren mit wandverteilter Kraftstoffanlagerung) ist ein weit verbreiteter und robuster Fahrzeugantrieb, der vor allem durch den Einsatz im Lkw IFA L60 bekannt ist.

    Für eine erfolgreiche Revision oder Reparatur sind äußerste Präzision, die Einhaltung technischer Toleranzen und Sauberkeit zwingende Voraussetzungen.

    1. Vorbereitung und Ausbau des Motors

    Vor dem mechanischen Ausbau müssen alle Peripheriesysteme systematisch getrennt und gesichert werden.

    • Betriebsstoffe ablassen: Kühlwasser (am Kühler und am Motorblock), Motoröl sowie Kraftstoffreste vollständig ablassen und umweltgerecht auffangen.
    • Peripherie demontieren: Kühlschläuche, Luftansaugleitungen und die Abgasanlage trennen. Elektrik (Lichtmaschine, Anlasser, Geber für Temperatur und Öldruck) beschriften und abklemmen.
    • Kraftstoffsystem trennen: Vor- und Rücklaufleitungen zur Einspritzpumpe trennen und sofort mit Schutzkappen verschließen, um das Eindringen von Schmutzpartikeln in das empfindliche System zu verhindern.
    • Trennung vom Getriebe: Die Verbindung zur Kupplungsglocke lösen. Beim Anheben des Motors mittels geeignetem Hebezeug (Tragfähigkeit min. 1 Tonne) ist strikt auf den Schwerpunkt des Motors zu achten, um ein Verkanten oder Beschädigungen der Getriebewelle zu vermeiden.

    2. Komplette Zerlegung und Demontage

    Die Demontage sollte auf einem stabilen Montagebock erfolgen. Jedes Bauteil ist beim Ausbau auf Verschleiß zu prüfen und systematisch abzulegen (Zylinderzuordnung beibehalten!).

    Zylinderkopf und Ventiltrieb

    1. Zylinderkopfhauben demontieren.
    2. Kipphebelwellen abbauen, Stoßstangen (Stoßstangenstangen) entnehmen und nach Zylindern geordnet ablegen.
    3. Zylinderköpfe (beim 6 VD paarweise oder einzeln ausgeführt) über Kreuz von außen nach innen lösen, um Verzug zu vermeiden.
    4. Einspritzdüsen und Glühkerzen ausbauen.

    Motorblock und Kurbeltrieb (Unterbau)

    1. Ölwanne und Ölpumpe inklusive Saugkorb demontieren.
    2. Schwungrad und hinteren Lagerdeckel (Schwungradgehäuse) entfernen.
    3. Pleuellagerdeckel kennzeichnen (falls nicht ab Werk geschehen) und lösen. Die Kolben nach oben aus den Zylinderlaufringen (Laufbuchsen) herausdrücken. Wichtig: Vorher den Ölkohleansatz am oberen Rand der Buchse entfernen, um die Kolbenringe nicht zu beschädigen.
    4. Hauptlagerdeckel der Kurbelwelle lösen und Kurbelwelle entnehmen.
    5. Zylinderlaufbuchsen bei Bedarf mit einer entsprechenden Ausziehvorrichtung aus dem Block ziehen.

    3. Montage und Einbau

    Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge, wobei alle Dichtungen, Simmerringe und Sicherungsbleche grundsätzlich zu erneuern sind. Sämtliche Gleitflächen (Lager, Kolben, Zylinder) müssen vor dem Zusammenbau reichlich mit sauberem Motoröl benetzt werden.

    Einbau von Buchsen und Kolben

    • Laufbuchsen: Die O-Ringe (Dichtringe) im Motorblock sorgfältig einsetzen (nicht verdrehen!). Die Buchsen mit Gleitmittel einsetzen. Das Spaltmaß (Buchsenüberstand) gegenüber der Blockoberkante ist zwingend mit einer Messuhr zu prüfen. Es muss gleichmäßig sein, um eine korrekte Pressung der Zylinderkopfdichtung zu gewährleisten.
    • Kolben und Ringe: Die Kolbenringe mittels Kolbenringzange montieren. Die Stoßspiel-Öffnungen der Ringe müssen jeweils um 120° versetzt zueinander stehen. Kolben mittels Spannband vorsichtig in die Buchsen einführen.
    • Pleuel- und Hauptlager: Lagerschalen trocken in die Sitze einlegen, die Laufflächen ölen. Auf die korrekte Positionierung der Anlaufscheiben zur axialen Führung der Kurbelwelle achten.

    Zylinderkopfmontage

    • Neue Zylinderkopfdichtungen trocken auflegen.
    • Die Zylinderkopfschrauben müssen in mehreren Stufen (Voranzug, Hauptanzug, Endanzug) streng nach Herstellervorgabe von innen nach außen (spiralförmig oder über Kreuz) angezogen werden.

    4. Einstellarbeiten und wichtige Parameter

    Nach der mechanischen Montage müssen die Steuerzeiten und Betriebstoleranzen exakt eingeregelt werden.

    • Ventilspiel einstellen: Die Einstellung erfolgt im kalten Zustand des Motors.
      • Einlassventil: 0,30 mm
      • Auslassventil: 0,40 mm
      • Methode: Überschneidung des korrespondierenden Zylinders nutzen (z.B. Zylinder 6 überschneidet $\rightarrow$ Zylinder 1 einstellen).
    • Förderbeginn der Einspritzpumpe (Spitzbeginn): Der exakte Förderbeginn ist entscheidend für Leistung, Rauchverhalten und Lebensdauer des Motors. Er wird über die Markierungen auf dem Schwungrad (Grad vor OT) und mittels Kapillarrohr (Überlaufmethode) an der Einspritzpumpe eingestellt. Eine fehlerhafte Einstellung führt zu harten Schlägen (zu früh) oder Überhitzung und Leistungsverlust (zu spät).

    5. Wichtige Anzugsdrehmomente (Richtwerte)

    Hinweis: Die Drehmomente sind als Richtwerte für saubere, leicht geölte Gewinde zu verstehen. Es sind primär die spezifischen Vorgaben des IFA-Werkstatthandbuchs des jeweiligen Baujahres heranzuziehen.
    ZylinderkopfschraubenStufenweise (z.B. 50 Nm $\rightarrow$ 100 Nm $\rightarrow$ 160 Nm $\rightarrow$ Endanzug ca. 200–220 Nm)
    Hauptlagerdeckel (Kurbelwelle)ca. 240 – 260 Nm
    Pleuellagerdeckelca. 120 – 140 Nm
    Schwungradschraubenca. 180 – 200 Nm (über Kreuz, gesichert)
    Gegengewichte (Kurbelwelle)ca. 160 Nm
    Einspritzdüsenhalter (im Kopf)ca. 60 – 70 Nm

    6. Wichtige Hinweise und worauf zu achten ist

    • Reinheit des SRF-Brennraums: Das SRF-System nutzt eine tiefe Mulde im Kolben. Diese Mulde und die Geometrie der Einspritzdüsen dürfen absolut keine Beschädigungen aufweisen. Die Ausrichtung der Einspritzdüsen (Spritzwinkel) muss exakt stimmen.
    • Sauberkeit der Ölkanäle: Vor der Montage der Kurbelwelle müssen alle Ölbohrungen im Block und in der Kurbelwelle mit Druckluft und Bürsten gereinigt werden. Metallspäne oder alte Dichtungsreste führen unweigerlich zu kapitalen Lagerschäden beim Erststart.
    • Markierungen der Steuerzeiten: Beim Einsetzen der Nockenwelle und der Einspritzpumpe ist penibel auf die Übereinstimmung der Markierungen (Pfeile/Punkte) auf den Stirnrädern zu achten.
    • Inbetriebnahme (Probelauf): Vor dem ersten Starten des Motors ist der Öldruck manuell oder durch Drehen des Motors ohne Zündung (Sicherstellung, dass kein Kraftstoff gefördert wird) aufzubauen, bis die Öldruckkontrolle erlischt. Der erste Probelauf sollte ohne Last erfolgen, um das System auf Dichtigkeit (Wasser, Öl, Kraftstoff) zu prüfen.