Beim IFA L60 liegt der Fall bei der handfesten, extrem cleveren Ingenieurskunst im Nutzfahrzeugbereich, die im Westen unter enormem Kostendruck stand.
Der L60 war als moderner Nachfolger des W50 konzipiert und brachte technische Neuerungen mit, die westliche Konstrukteure absolut faszinierten. Während der L60 im eigenen Land durch Produktionsengpässe und wirtschaftliche Probleme der DDR ausgebremst wurde, analysierte der Westen die Konstruktion sehr genau.
Was den Westen am L60 so reizte:
- Das kippbare Fahrerhaus: Endlich war der Motorraum leicht zugänglich. Westliche Hersteller verbauten das zwar auch, aber die mechanisch einfache und robuste Umsetzung im L60 war für den Exportmarkt hochinteressant.
- Das ausgeklügelte Antriebskonzept: Die Kombination aus dem neu entwickelten 6-Zylinder-Niederdruck-Einspritzmotor (180 PS) und dem modernisierten Allradantrieb mit den zuschaltbaren Sperren war extrem geländegängig und dabei wartungsarm.
- Wirtschaftsspionage und "Anleihen": Es war in der Nutzfahrzeugbranche ein offenes Geheimnis West-Hersteller (wie MAN oder Mercedes-Benz) zerlegten Ost-Fahrzeuge bis auf die letzte Schraube, um zu sehen, wie die Konkurrenz mit simplen, aber genialen Mitteln Haltbarkeit erzeugte. Einige Detaillösungen bei Achskonstruktionen und der Pneumatik für die Sperren spiegelten sich später in westlichen Kommunal- und Militär-Lkw wider.