Beiträge von Renato

    Ich weiß jetzt nicht, welche Route Du genau fährst?

    Hier ist der genaue Überblick für die jeweiligen Länder:

    1. Tschechien (Mytosystem Myto CZ)

    • Für die automatische und dauerhafte Streckenerfassung ist zwingend eine physische Mautbox (OBU / MYTO CZ OBU oder eine kompatible EETS-Box) erforderlich.
    • Smartphone: Das Smartphone oder der Webbrowser wird lediglich im Vorfeld für die Registrierung des Unternehmens/Fahrzeugs, das Hochladen der Dokumente (z. B. CO2-Emissionsklasse) und das Aufladen des Prepaid-Kontos bzw. Verwalten des Postpaid-Kontos genutzt. Während der Fahrt läuft die Erfassung ausschließlich über die im Fahrzeug verbaute Box.
    • Eigene Erfahrung 2023: Habe direkt an der Grenze eine Box gekauft auf Kaution ohne vorher mich irgendwo anzumelden. Achtung bei der Ausreise - nicht jede Servicestation nimmt die Box wieder zurück!

    2. Slowakei (Mytosystem SkyToll)

    • Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen ein OBU-Gerät (SkyToll-Gerät) vorgeschrieben, das die gefahrenen Kilometer auf Mautstraßen erfasst.
    • Smartphone: Die Registrierung und Kontoeröffnung im SkyToll-System kann digital vorbereitet werden, aber die physische Box muss bei einer Servicestelle abgeholt oder per Kurier bestellt werden. Eine rein app-basierte Abrechnung per GPS über das Smartphone während der Fahrt ist nicht zulässig.
    • Eigene Erfahrung 2023: Ich habe die Maut an der 1.Servicestation nach der Grenze gelöst per Ticket am Terminal, aber Vorsicht, ich habe die 1. Station nach der Grenze verpennt, sofort war die Mautkontrolle da und wollte 800,00 Euro Strafe kassieren!

    3. Ungarn (HU-GO System)

    • Für den Regelfall ist eine Box zu erwerben (dauerhafte bequeme Abrechnung).
    • Smartphone: In Ungarn gibt es im HU-GO-System zusätzlich das sogenannte Streckenticket (Route Ticket). Dieses kann man theoretisch digital über das Smartphone (über die HU-GO-Webseite) vor Fahrtantritt lösen, wenn man eine exakte Strecke im Voraus bucht. Das ist jedoch unflexibel, gilt zeitlich strikt begrenzt (Streckentickets haben eine definierte Gültigkeitsdauer) und eignet sich kaum für spontane Expeditionen oder Umwege. Für den Normalbetrieb über 3,5 t nutzt man daher auch in Ungarn entweder eine OBU-Box oder einen registrierten On-Board-Tracker (GPS-basiertes OBU-Gerät eines zugelassenen Partners).
    • Eigene Erfahrung 2023: Ich habe die Maut an der 1.Servicestation nach der Grenze gelöst per Ticket am Terminal!

    Der Vergleich zwischen den beiden ostdeutschen Allrad-Lkw IFA W50 und IFA L60 offenbart zwei völlig unterschiedliche Entwicklungsansätze im Nutzfahrzeugbau der ehemaligen DDR. Während der W50 als universeller Standard-Lkw über Jahrzehnte in großen Stückzahlen produziert wurde, stellte der L60 eine weitreichende Neuentwicklung dar. Im anspruchsvollen Gelände zeigt der ältere W50 in vielen Disziplinen überraschende Vorteile gegenüber seinem technisch komplexeren Nachfolger.


    Technische Grundlagen und Antriebskonzept

    • IFA W50 (Allradversion LA): Ausgestattet mit einem robusten Vierzylinder-Reihendieselmotor (VD 14,5/12-1 SRW) mit einer Leistung von 125 PS, verfügt der W50 über ein unsynchronisiertes Fünfgang-Schaltgetriebe und einem zuschaltbaren Allradantrieb mit Untersetzung. Die Kraftverteilung und die Untersetzung sind kompromisslos auf einfache Handhabung und maximale Robustheit im rauen Einsatz ausgelegt.
    • IFA L60 : Der L60 erhielt einen neu entwickelten Sechszylinder-Reihendieselmotor mit 180 PS, der mit einem synchronisierten Achtganggetriebe gekoppelt ist. Der L60 bietet mehr Motorleistung und ein höheres Drehmoment, was auf der Straße und bei schweren Transporten von Vorteil ist, im Gelände jedoch neue Anforderungen an das Fahrwerk und die Traktionskontrolle stellt.

    Gründe für die bessere Geländegängigkeit des W50

    Trotz der geringeren Motorleistung schlägt sich der W50 in schwierigem Terrain aus mehreren konstruktiven Gründen oft besser als der L60:

    • Gewicht und Achslast: Der W50 ist leichter und kompakter gebaut. Das geringere Gesamtgewicht verhindert ein zu tiefes Einsinken in weichen Böden (wie Schlamm, Sand oder feuchtem Lehm) und schont gleichzeitig den Antriebsstrang bei extremen Verwindungen.
    • Getriebe und Kraftschluss: Das unsynchronisierte Getriebe des W50 verlangt zwar vom Fahrer viel Feingefühl und das Beherrschen der Zwischenkuppel- und Zwischengas-Technik, ermöglicht jedoch im Gelände ein sehr direktes und verlustfreies Einlegen der Gänge ohne elektronische oder pneumatische Anfälligkeiten.
    • Übersetzung und Untersetzung: Die Abstimmung der Untersetzungsgetriebe im W50 ist optimal auf das niedrige Drehzahlband und das konstante Drehmoment des Vierzylinders abgestimmt. Dies erlaubt ein feinfühliges Kriechen im Schritttempo über Hindernisse, ohne dass die Räder durchdrehen.
    • Einfachheit der Technik: Im harten Geländeeinsatz gilt: Was nicht vorhanden ist, kann nicht beschädigt werden. Der Verzicht auf komplexe Zusatzaggregate und fehleranfällige Steuerungselemente macht den W50 im rauen Offroad-Einsatz unanfälliger für Ausfälle.

    Fazit

    Der IFA L60 ist dank des stärkeren Motors und des modernen Getriebes das komfortablere und auf der Straße schnellere Nutzfahrzeug. Wenn es jedoch um kompromisslose Geländegängigkeit, geringes Eigengewicht im Schlamm, mechanische Robustheit und unkomplizierte Instandsetzung unter widrigsten Bedingungen geht, bleibt der leichtere und traditionell konzipierte W50 im Gelände überlegen.

    Der IFA LKW L60 verfügt über einen permanenten Allradantrieb, bei dem die Antriebskraft dauerhaft auf alle vier Räder übertragen wird. Im Gegensatz zum zuschaltbaren Allrad vieler anderer Nutzfahrzeuge ist hier kein manuelles Einlegen des Vorderradantriebs bei Straßenfahrt erforderlich. Die Verteilung des Drehmoments zwischen Vorder- und Hinterachse erfolgt über ein im Transfergetriebe integriertes Zentraldifferenzial, welches Verspannungen im Antriebsstrang bei Kurvenfahrt auf griffigem Untergrund verhindert.

    Zur Erhöhung der Geländegängigkeit bei nachlassenden Bodenverhältnissen ist der L60 mit pneumatisch betätigten Sperren ausgestattet, die vom Fahrer gezielt geschaltet werden können:

    • Längssperre: Diese Sperre wirkt im Verteilergetriebe und blockiert das Zentraldifferenzial. Dadurch wird eine starre Verbindung zwischen der Vorder- und Hinterachse hergestellt. Das Drehmoment wird zu gleichen Teilen (50:50) zwangsweise auf beide Achsen aufgeteilt, wodurch verhindert wird, dass bei durchdrehenden Rädern einer Achse der gesamte Vortrieb verloren geht.
    • Achssperren (Quersperren): Zusätzlich verfügt der L60 über Differenzialsperren in den Achsgetrieben. Bei Betätigung sperren diese die Ausgleichsgetriebe innerhalb der Vorder- bzw. Hinterachse. Dies zwingt die Räder einer Achse dazu, mit gleicher Drehzahl zu rotieren. Dadurch wird verhindert, dass bei Haftungsverlust eines einzelnen Rades das gesamte Drehmoment über das Differenzial an dieses frei durchdrehende Rad abgegeben wird.

    Wirkungsweise im Gelände: Durch die Kombination aus permanenter Kraftverteilung, Längssperre und Achssperren wird ein maximaler Formschluss im Antriebsstrang erreicht. Die Längssperre egalisiert Drehzahlunterschiede zwischen den Achsen, während die Achssperren die Drehzahldifferenzen der Räder auf einer Achse aufheben. Das System gewährleistet, dass auch bei extremen Geländebedingungen, wie Schlamm, losem Sand oder Verschränkung, jene Räder mit dem verbleibenden Bodenkontakt Vortrieb übertragen können.

    Der IFA W50 wurde als robuster Lastkraftwagen konzipiert, der im zivilen wie im militärischen Sektor auch unter widrigsten Bodenverhältnissen zuverlässig operieren musste. Seine bemerkenswerte Geländegängigkeit ist dabei das Resultat eines konsequent auf Traktion ausgelegten, rein mechanischen Antriebsstrangs. Im serienmäßigen Zustand verfügt das Fahrzeug über ein aufeinander abgestimmtes System aus zuschaltbarem Allradantrieb, Getriebeuntersetzung und vollständigen Sperrorganen, die in Kombination ein Vorankommen auf losem oder schwierigem Untergrund ermöglichen.

    Das Zusammenspiel von Allradantrieb und Untersetzung

    Die Basis für den Geländebetrieb bildet der zuschaltbare Allradantrieb. Wird der Vorderradantrieb zugeschaltet, schaltet das System gleichzeitig die Geländegang-Untersetzung im Verteilergetriebe zu. Diese mechanische Kopplung ist konstruktiv so vorgesehen, dass die verkürzten Übersetzungsverhältnisse zwingend mit dem angetriebenen Allradstrang einhergehen.

    Durch diese Untersetzung wird das Drehmoment an den Rädern signifikant erhöht, während gleichzeitig die Fahrgeschwindigkeit bei hohen Motordrehzahlen reduziert feinfühlig dosiert werden kann. Dies entlastet die Kupplung und ermöglicht es dem Fahrzeug, sich mit konstanter Kraft und geringem Schlupf durch tiefen Schlamm, Sand oder steile Passagen zu arbeiten.

    Die Getriebesperre (Längssperre)

    Um Antriebsverluste zwischen den Achsen zu verhindern, verfügt der W50 über eine Längssperre im Verteilergetriebe, die als Getriebesperre fungiert. Bei geöffneter Sperre gleicht das Verteilergetriebe Drehzahlunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse aus.

    Gerade im Geländeeinsatz führt dies jedoch häufig dazu, dass eine einzeln durchdrehende Achse die gesamte Kraft aufnimmt, während die andere steht. Das Einlegen der Längssperre starrt den Ausgleich im Verteilergetriebe auf und sorgt für eine feste Kraftverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse. Dadurch wird sichergestellt, dass beide Achsen unabhängig von den Bodenverhältnissen unter den Rädern gleichmäßig angetrieben werden. Beim W50 ist es meistens so gelegt, das Längssperre und Hinterachssperre zusammen geschalten werden.

    Differentialsperren an Vorder- und Hinterachse

    Das Maximum an Traktion wird durch die zusätzlichen Differentialsperren an der Hinter- und Vorderachse erreicht. Sobald die Längssperre allein nicht mehr ausreicht, um Vortrieb zu generieren – etwa bei Verschränkungsfahrten, auf extrem glattem Untergrund oder wenn einzelne Räder den Bodenkontakt verlieren bzw. in tiefen Spurrillen hängen –, kommen die Achssperren zum Einsatz.

    • Hinterachssperre: Sie sperrt das Differenzial der Hinterachse, sodass beide Hinterräder exakt mit derselben Drehzahl rotieren. Dies stabilisiert das Fahrzeug spürbar und bringt die Hauptlast des Antriebs effektiv auf den Boden.
    • Vorderachssperre: Auch die Vorderachse ist mit einer zuschaltbaren Sperre ausgestattet. Ihr Einsatz erfordert ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit, da das gesperrte Vorderrad die Lenkkräfte stark erhöht und das Fahrzeug bei extrem schwierigen Bodenverhältnissen konsequent der Richtung folgt, in die die Räder zeigen. Im Gegenzug verhindert sie wirksam das Feststecken an Steigungen oder in tiefem Morast, indem sie auch dem kurveninneren Vorderrad die volle Zugkraft überträgt.

    Fazit

    Das serienmäßige Konzept des W50 verzichtet auf komplexe Elektronik und setzt stattdessen auf rein mechanische, direkt bedienbare Robustheit. Die logische Kopplung von Allrad und Untersetzung bildet das Fundament, während die Staffelung von Längssperre und den Sperren an Vorder- und Hinterachse dem Fahrer die Werkzeuge an die Hand gibt, den Antrieb exakt an die Topografie anzupassen. Richtig bedient und im Zusammenspiel genutzt, machen diese mechanischen Komponenten den Lkw zu einem verlässlichen Begleiter abseits befestigter Straßen.

    Das Fahren im unbefestigten Gelände stellt besondere Anforderungen an die Fahrtechnik und den korrekten Einsatz der Antriebskomponenten. Um die Traktion zu maximieren und mechanische Schäden am Antriebsstrang zu vermeiden, ist eine systematische und situationsangepasste Reihenfolge bei der Zuschaltung von Allradantrieb, Geländeruntersetzung und Differentialsperren zwingend erforderlich.

    1. Allradantrieb (4WD / AWD)

    Der Allradantrieb verteilt die Motorleistung auf alle vier Räder und erhöht die Traktion auf losem Untergrund wie Schotter, Sand, Schlamm oder Schnee im Vergleich zum reinen Heck- oder Frontantrieb deutlich.

    • Einsatzzeitpunkt: Der Allradantrieb sollte vor der Einfahrt in schwieriges Gelände zugeschaltet werden, solange noch Traktion vorhanden ist. Bei vielen modernen Fahrzeugen ist dies während der Fahrt bis zu einer bestimmten Höchstgeschwindigkeit möglich; bei älteren Systemen mit starrem Zuschaltallrad muss dies im Stand oder bei langsamer Fahrt erfolgen.
    • Anwendungsbereich: Auf losem Untergrund, steilen Steigungen oder bei nassen, rutschigen Fahrbahnbedingungen. Auf griffigem Untergrund (z. B. trockener Asphalt) darf der Allradantrieb bei Fahrzeugen mit starrem Durchtrieb ohne Längsdifferenzial nicht genutzt werden, da es sonst zu Spannungen im Antriebsstrang (Verspannungen) kommt.

    2. Geländeruntersetzung (Low Range)

    Die Untersetzung ist ein zusätzliches Übersetzungsverhältnis im Verteilergetriebe, das die Eingangsdrehzahl reduziert und das Drehmoment an den Rädern vervielfacht.

    • Einsatzzeitpunkt: Die Untersetzung wird ebenfalls im Stand oder bei Schrittgeschwindigkeit und meist bei eingelegtem Leerlauf geschaltet. Je nach Getriebeart ist hierbei oft das Betätigen der Kupplung oder das Halten der Bremse erforderlich.
    • Anwendungsbereich: Bei extremen Steigungen, Langsamfahrten im unwegsamen Gelände, beim Passieren von Hindernissen, im tiefen Sand oder beim kontrollierten Befahren von steilen Gefällen (Motorbremswirkung). Sie schont die Kupplung und ermöglicht eine sehr feinfühlige Dosierung des Gaspedals.

    3. Differentialsperren

    Ein Differenzial gleicht Drehzahlunterschiede zwischen den Rädern aus (z. B. bei Kurvenfahrt). Im Gelände führt dies jedoch dazu, dass bei Traktionsverlust eines einzelnen Rads die gesamte Kraft über dieses Rad verpufft, während das Rad mit Bodenhaftung stillsteht. Differentialsperren heben diese Ausgleichswirkung ganz oder teilweise auf.

    Wenn ein Fahrzeug über mehrere Sperren (Längssperre im Verteilergetriebe sowie Quer-/Achssperren an Vorder- und Hinterachse) verfügt, muss beim Zuschalten eine strikte Reihenfolge eingehalten werden, um die Lenkbarkeit des Fahrzeugs zu wahren und Bauteile vor Überlastung zu schützen:

    1. Längssperre (Zentraldifferenzial):
      • Funktion: Sperrt den Ausgleich zwischen Vorder- und Hinterachse.
      • Nutzung: Als erster Schritt bei nachlassender Traktion, oft automatisch mit dem Einlegen des Allrads oder der Untersetzung gekoppelt.
    2. Hinsichtlich der Achssperren (Quersperren):
      • Zuerst die Hinterachssperre: Die Sperre an der Hinterachse wird als nächstes zugeschaltet. Sie sorgt für Vortrieb, während das Fahrzeug über die lenkbare Vorderachse weiterhin gut steuerbar bleibt.
      • Als Letztes die Vorderachssperre: Die Sperre an der Vorderachse wird erst bei maximalem Bedarf in extremen Situationen (z. B. tiefer Schlamm, stark Verschränkungs-Passagen) zugeschaltet.
      • Hinweis zur Vorderachssperre: Bei gesperrter Vorderachse reduziert sich die Lenkfähigkeit drastisch, da das Fahrzeug dem Weg des geringsten Widerstands geradeaus folgen möchte. Die Lenkung sollte in diesem Zustand möglichst nur bei rollendem Fahrzeug und ohne extreme Lenkeinschläge betätigt werden, um Lenkgestänge und Achskomponenten nicht zu beschädigen.

    Zusammenfassung und Grundregeln

    • Prävention vor Reaktion: Alle Systeme (Allrad, Untersetzung, Sperren) werden vor dem Hindernis oder der kritischen Passage aktiviert, nicht erst, wenn das Fahrzeug bereits feststeckt.
    • Reihenfolge: Allrad - Untersetzung - Längssperre - Hinterachssperre - Vorderachssperre.
    • Rücknahme: Nach Verlassen des schwierigen Geländes und Erreichen von griffigem Untergrund sind alle Sperren und Untersetzungen sofort wieder zu deaktivieren, um Verspannungen im Antriebsstrang und erhöhten Verschleiß zu verhindern.

    Das Bewegen von schweren Lastkraftwagen unter Extrembedingungen wie tiefem Schlamm oder weichem Matsch stellt Mensch und Maschine vor enorme Herausforderungen. In solchen Umgebungen versagen Standard-Straßenkonzepte vollständig. Um die Mobilität schwerer Transportfahrzeuge sicherzustellen, sind fundierte physikalische Kenntnisse, spezialisierte Fahrzeugtechnik und angepasste Fahrstrategien erforderlich.

    Physikalische Grundlagen und Herausforderungen

    Hauptursache für das Festfahren in Schlamm ist der Verlust von Bodenhaftung (Traktion) und ein überproportionaler Rollwiderstand.

    • Schlamm und Matsch: Feuchtigkeit reduziert die Reibung zwischen Reifenprofil und Untergrund drastisch. Gleichzeitig setzt sich das Profil zu, wodurch der Reifen seine Verzahnungswirkung verliert und auf einer Schmierschicht durchdreht.


    Technische Voraussetzungen für den Geländebetrieb

    Fahrzeuge, die für den Einsatz in Schlamm und Wüstensand konzipiert sind, verfügen über spezifische technische Merkmale:

    • Reifendruckregelanlage: Das Absenken des Reifendrucks ist die effektivste Maßnahme im weichen Gelände. Durch den geringeren Druck vergrößert sich die Aufstandsfläche (Latsch) des Reifens. Das Gewicht des LKW verteilt sich auf eine größere Fläche, wodurch der Bodendruck sinkt und das Fahrzeug weniger tief einsinkt.
    • Allradantrieb (z. B. 4x4) und Differenzialsperren: Um die Motorkraft optimal zu übertragen, müssen alle Achsen angetrieben sein. Sperrbare Differenziale verhindern, dass bei durchdrehendem Einzelrad die gesamte Kraft über dieses Rad verloren geht; stattdessen wird das Drehmoment gleichmäßig auf die verbleibenden Räder verteilt.
    • Grobstollige Reifenprofilierung: Spezielle Geländereifen besitzen selbstreinigende Profile, die Schlamm aus der Lauffläche werfen, oder Ballonreifen für sandige Böden, die den Boden eher tragen als verdrängen.

    Taktische Fahrstrategien im Extremgelände

    Neben der Technik entscheidet vor allem die richtige Fahrweise über Fortkommen oder Stillstand:

    1. Impulserhalt und gleichmäßige Fahrt: Im Schlamm gilt es, ständiges Anhalten und Anfahren zu vermeiden. Ein stehender LKW sinkt durch das Eigengewicht sofort tiefer ein. Eine gleichmäßige, moderate Geschwindigkeit hält den Schwung aufrecht.
    2. Spurwahl: Nach Möglichkeit sollte auf bereits verdichteten Spuren gefahren werden.
    3. Bergung und Vorbereitung: Schwere LKW im unwegsamen Gelände sollten stets mit Bergungsausrüstung (Seilwinden, Sandblechen, Schäkeln, Abschleppseilen) ausgestattet sein. Bei beginnendem Durchdrehen der Räder ist sofortiger Stopp geboten, um ein Eingraben bis zur Achse zu verhindern.

    Das Fahren mit schweren Lkw in sandigem Terrain und Wüstenregionen erfordert eine spezielle fahrtechnische Herangehensweise, da sich die physikalischen Bedingungen grundlegend von festen Untergründen unterscheiden. Das hohe Fahrzeuggewicht führt bei ungeeigneter Fahrweise schnell zum Einsinken, weshalb Traktionserhalt und die Vermeidung von Grabwirkungen im Vordergrund stehen.

    Physikalische Grundlagen und Reifenluftdruck

    Ein zentraler Faktor im Sand ist die Vergrößerung der Reifenaufstandsfläche, um den Bodendruck zu minimieren. Durch die Reduzierung des Reifenluftdrucks sinkt die Einsinktiefe des Fahrzeugs, und der Reifen gleitet eher über den Sand, anstatt sich einzugraben. Dennoch stoßen auch Großreifen bei schweren Lkw an Grenzen, wenn Lenk- oder Antriebskräfte zu abrupt eingeleitet werden.

    Lenk- und Fahrtechnik bei Vorwärtsfahrt

    Um das Festfahren in weichem Sand zu verhindern, ist es entscheidend, den Rollwiderstand gering zu halten. Dies gelingt insbesondere bei schwierigen Passagen durch die sogenannte Schleudertechnik: Dabei wird das Lenkrad schnell und kontrolliert hin- und herbewegt. Diese Maßnahme verhindert, dass sich vor den Lenkrädern ein massiver Sandkeil aufbaut, der das Fahrzeug abbremsen und zum Eingraben führen würde. Durch das ständige Richtungswechseln wird der Sand seitlich verdrängt und der Widerstand minimiert.

    Bewältigung von Dünenabfahrten

    Das Abfahren von Sanddünen stellt mit schweren Nutzfahrzeugen ein besonders hohes Sicherheitsrisiko dar. Entgegen dem intuitiven Impuls zu bremsen, ist bei der Talfahrt eine hohe Geschwindigkeit im höchsten Gang erforderlich.

    • Vermeidung des Überschlagrisikos: Beim Abtauchen der Fahrzeugfront in den sandigen Auslauf am Fuß der Düne entsteht ein massiver Bremswiderstand. Wird hierbei zu langsam gefahren oder gar gebremst, drückt die Masse des Lkw nach vorne. Der Widerstand an der Vorderachse führt in Kombination mit dem nachdrückenden Heck dazu, dass das Fahrzeug hinten ausgehoben wird und im schlimmsten Fall einen Salto über die Front macht (Kullern).
    • Dynamischer Erhalt der Fahrt: Eine hohe, kontrollierte Geschwindigkeit im oberen Gang stellt sicher, dass der Lkw die Trägheit behält, den Widerstand beim Übergang in die Ebene überwindet und stabil in der Spur bleibt.


    Das Fahren auf Wellblechpisten (Corrugations)

    Neben reinem Sand gehören Wellblechpisten zu den herausforderndsten Untergründen im Offroad-Einsatz. Diese periodischen Querwellen entstehen durch rollenden Verkehr, bei dem Reifen durch den Antriebs- oder Bremskraftschluss Material verschieben und in Eigenschwingung versetzen.

    Physikalische Belastung und Resonanzphänomene

    Bei zu geringer Geschwindigkeit gerät das Fahrwerk eines schweren Lkw in eine Resonanzfrequenz, die exakt mit dem Abstand der Wellblechrippen übereinstimmt. Die Räder beginnen unkontrolliert zu springen (Hüpfen der ungefederten Massen), wodurch der Bodenkontakt und damit sowohl die Lenkfähigkeit als auch die Bremswirkung drastisch sinken. Die mechanische Belastung für Rahmen, Fahrwerk, Aufbauten und Verschraubungen erreicht dabei Extremwerte.

    Fahrtechnische Bewältigung

    • Das Prinzip der "Flucht nach vorn": Ähnlich wie bei sandigen Passagen lässt sich das Problem durch eine Erhöhung der Geschwindigkeit entschärfen. Ab einem bestimmten, deutlich höheren Tempo (oft jenseits von 60 bis 70 km/h, abhängig von Fahrzeuggewicht und Fahrwerksabstimmung) "schwebt" oder gleitet der Lkw quasi über die Wellenberge hinweg, da die Räder aufgrund ihrer Masseträgheit gar nicht mehr in jedes Wellental eintauchen können.
    • Risikoabwägung: Diese Fahrweise erfordert absolute Spurstabilität und setzt voraus, dass das Gelände frei von verdeckten Hindernissen, scharfen Kurven oder plötzlichen Bodenabsätzen ist, da jegliche Lenk- oder Bremsreaktionen im "Schwebemodus" extrem verzögert reagieren und zum Kontrollverlust führen können.

    Hallo Micha


    Die technischen Daten im Jantsa-Katalog sind klar definiert. Es handelt sich um eine Lkw-Stahlfelge in 11,75x22,5 mit 10-Loch-Anbindung, 335 mm Lochkreis, 281 mm Mittelloch und einer Einpresstiefe von 120 mm (ET 120). Die Traglast für diese specific 117665er Ausführung liegt laut Herstellerdatenblatt bei 4.500 kg.

    Da die Felgen auf einem anderen L60 bereits eingetragen waren, gibt es verschiedene Wege, wie du das dem TÜV-Prüfer schmackhaft machen bzw. das fehlende Papier besorgen kannst:

    1. Der einfachste Weg: Über die Fahrgestellnummer des Vorbesitzers

    Der Vorbesitzer hat die Felgen ja eingetragen – auch wenn in seinem aktuellen Schein nur „Stahlfelge 11,75x22,5“ steht, muss das Ganze ja damals bei der Abnahme dokumentiert worden sein.

    • Fahrzeugbrief/Abnahmegutachten: Bitte den Verkäufer noch mal inständig, in seinen alten Unterlagen, im TÜV-Bericht der damaligen Abnahme oder im archivierten Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) nachzuschauen.
    • Bei einer Einzelabnahme nach § 19.2 / § 21 wird im Prüfbericht oder im computergespeicherten Prüfprotokoll des TÜVs/DEKRA exakt vermerkt, welche Felge (Hersteller, Typ, KBA-Nummer oder in dem Fall Jantsa-Teilenummer 117665) geprüft wurde. Mit dieser alten Abnahme oder auch nur der Kopie des Fahrzeugscheins des Vorbesitzers (falls dort im Textfeld unten die Felge im Klartext oder mit Teilenummer drinsteht) hat der Prüfer eine Arbeitsgrundlage (Vergleichsgutachten).

    2. Datenblatt direkt über Jantsa / Importeur anfordern

    Manchmal dauert der direkte Weg über den türkischen Hersteller etwas. Es gibt aber in Europa diverse große Großhändler für Jantsa-Felgen (wie z. B. Bohnenkamp oder andere Lkw-Reifenhändler).

    • Oft sind die Distributoren schneller greifbar und können dir ein offizielles Datenblatt oder eine Traglastbescheinigung für die Artikelnummer 117665 per Mail schicken.
    • Alternativ direkt den Support von Jantsa auf Englisch anschreiben und explizit nach dem „Load Capacity Certificate / Technical Datasheet for Part No. 117665“ fragen – die Jungs dort schicken das Normalerweise als PDF raus.

    3. Argumentation beim TÜV (Prüfer wechseln?)

    Mancher Prüfer stellt sich bei Lkw-Standardfelgen quer, weil er das "KBA-Zeichen" oder ein fahrzeugspezifisches Gutachten sucht. Eine 11,75x22,5er Lkw-Felge ist jedoch ein genormtes Nutzfahrzeug-Bauteil mit einer Traglast von 4,5 Tonnen pro Rad. Der L60 hat Achslasten, die da im Leben nicht drüber kommen (selbst aufgelastet nicht).

    • Wenn die Felge eine eingeschlagene oder eingeprägte Kennzeichnung (Jantsa, die Nummer 117665 und die Traglast/Dimension) auf dem Felgenbett hat, ist das für einen fähigen Prüfer eigentlich ausreichend, um das über eine Einzelabnahme einzutragen, sofern die Festigkeit (4,5t > Achslast L60) nachgewiesen ist.

    Mein Tipp als nächster Schritt:

    Nerv den Verkäufer noch mal, dass er im Archiv nach dem alten TÜV-Bericht der Abnahme kramt. Das ist der schnellste Hebel. Parallel besorge ich dir gern die genauen technischen Spezifikationen gebündelt, falls du sie brauchst.


    Ich wünsche Dir viel Erfolg