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24.02.2010 18.14 | WalterR | L-60 Motorschaden (Stahlgusskolben)
(Den Beitrag hatte ich bereits im Jahr 2008 in einem Forum veröffentlicht.)
L-60 Motorschaden mit Stahlgusskolben
In mehreren Foren wurde bereits von Motorcrash’s mit Stahlgusskolben berichtet.
In diesem Beitrag soll von einem ausserordentlich grossen Materialabtrag, über einen sehr langen Zeitraum, am Kolben berichtet werden, bis dann der Motorcrash eintrat. Im Ergebnis der Schadensanalyse deutete alles darauf hin, dass die langsame Zerlegung des Kolbens (Stahlring) “bereits beim L-60 Vorbesitzer begann”.
Bericht:
Bei einer 200 km langen Autobahnfahrt haben sich schleichend in mehreren Etappen (ab 70 km bis 200 km Fahrtstrecke) ganz kurzzeitig “Kleinteile” der Korngroesse
3-5 mm des eingeschrumpften Stahlringes im Kolben herausgelöst und sind durch das Abgassystem in’s Freie transportiert worden. Das stets nur wenige Sekunden dauernde “Phantom”-Geräusch hörte sich an wie Stecknadeln im Motorraum, danach war wieder alles normal. Mehrere Parkplatzstopps zur Motorkontrolle brachten kein Ergebnis.
Während der Fahrt war Wassertemperatur , Oeldruck u. Abgasfahne alles okay. Motor sprang auch stets gut an. Das X’ te Geräusch trat an einer Steigung auf, danach war alles eindeutig. Im Motor hatte es gerumpelt, die Autobahn war vom Kühlwasser eingenebelt worden. Nachfolgende PKW’s hatten die Warnblinkanlage eingeschaltet und wollten kurzzeitig nicht mehr überholen. Das war’s, Fahrtende, Standspur, 2,5 Std. Wartezeit auf den ADAC, rauf auf die Abschleppbrille, HA- Kardanwelle abgeflanscht und ab ging’s auf den Hof der Abschleppfirma. Mir war lange nicht so unwohl, wie in dem Moment.

Schadensbilanz: Das zuletzt abgetrennte Kolben-Stahlringteil (3,5 x 2,0 x 0,5 cm) war “etwas gross” und hatte den Motorcrash verursacht. Wegen dem entstandenen Platzproblem zwischen Kolben und Zylinderkopf wurde der Kolben gestaucht, zugleich gegen die Laufbuchsenwandung gepresst und hat diese platzen lassen sowie den Zylinderkopf incl. Auslassventil und das Einspritzelement deformiert.
In den Metall-Siebfiltern der Oelwanne waren jede Menge Späne zu finden.
Kurios war, dass nur eine Lagerschale vom Pleuel Nr. 6 eine kleine Riefe hatte.
Das Ölfiltersystem hatte also bis zum Schluss gut funktioniert.
Neuteile: 6 x Alukolben, 6 x Laufbuchsen, 1 x Zylinderkopf incl. Ventile u. Einspritzdüsenstock, Pleuelbuchsen, Lagerschalen, Kopfdichtungen, Gummidichtungen usw.
Der Motorschaden war bereits am 03-Mai-2008. Nach ca. 4 Wochen lief der L-60 wieder.
Die Ersatzteile wurden kurzfristig in Ludwigsfelde bestellt und “Nico” hatte das Problem an den Wochenenden behoben.
Mein ganz grosser Dank gilt hier dem Profi-Schlosser “Nico ”, der bereits kurz zuvor seinen L-60 Motor (Kipper) regeneriert hatte.

Schlussbemerkung: Hinterher haben es alle schon vorher gewusst.
Mit den jetzigen Erfahrungen kann ich sagen, “das Ereignis kuendigt sich an”.
Ein damaliger L-60 Berufskraftfahrer hatte berichtet, sein L-60 Motor hatte im Jahr 1989
die gleichen Symtome gezeigt, auch er ist in der gleichen Situation ahnungslos in den Motorcrash gesteuert.

Meine Veröffentlichung im Allrad Forum von 2008.
http://www.lkw-allrad.de/forum-3/index.php?/topic/5061-l-60-motorschad
en-stahlgusskolben/
Gruss

24.02.2010 18.17 | WalterR |
Anhang 2

24.02.2010 18.19 | WalterR |
Anhang 3

24.02.2010 18.21 | WalterR |
Anhang 4

24.02.2010 18.23 | WalterR |
Anhang 5

25.02.2010 15.44 | Striegistaler |
Genau, nahezu so siehts aus. Und das nach Angabe des allseits bekannten Motorspezis bei ca. 100.000 km.
Im Übrigen erkennt man recht schnell, auch ohne den Motor zu demontieren, ob man Stahlgusskolben hat. Wenn bei warmen Motor im Standgas das Abgas wieder grau wird, deutet alles darauf hin, dass Stahlkolben verbaut sind. Die Kolben kühlen im Standgas schneller aus und es kommt zur Nebelbildung.
Nachdem ich, nach eben so einem Motorschaden, Alukolben verbaut habe, ist die Verbrennung auch im Stand bei warmen Motor nahezu optimal.
Gefühlter subjektiver Nebeneffekt, der Motor läuft insgesamt ruhiger(leiser). Aber das kann ich mir auch einbilden.

25.02.2010 22.54 | dt-racing |
hallo,

schöner beitrag...

walter hat denn das pleuel nichts abbekommen bei diesem schaden??

viele grüße

26.02.2010 13.04 | WalterR |
Hallo,
ich bedanke mich für die persönlichen Nachrichten (PN's) von einigen Mitgliedern und die freundlichen Worte zum Beitrag.
Beantwortung erfolgt ebenso als PN.

Hallo Striegistaler,
richtig, ich schliesse mich Deiner Meinung an, der Motor läuft mit den Alukolben sehr ruhig. Die Kombination neue Alukolben, Zylinderlaufbuchsen, Lagerschalen, Pleuelbuchsen, Zylinderkopfdichtungen usw. tragen selbstverständlich mit zu dem positiven Ergebnis bei.
Nach der Aktion sind noch neue Einspritzdüsen eingebaut worden, denn ich war bis zu 95 % aber noch nicht zu 100 % zufrieden. Das war dann der Punkt auf dem "i", danach lief der Motor wie eine Nauauslieferung aus Ludwigsfelde. Das war danach die Aussage eines alten IFA Werkstattmeisters.

Hallo dt-racing,
Frage Pleuel: Das Pleuel wurde geprüft, für in Ordnung befunden und wieder eingebaut.
Die Reihenfolge der Materialzerstörung erfolgte hier lehrbuchmässig an den relativ leicht zu ersetzenden (nicht so hochwertigen) Teilen.
Kolben, Zylinderlaufbuchsen, Lagerschalen u. Pleuelbuchsen haben die "Krash-Kräfte" aufgenommen und damit die hochwertigen Bauteile wie Pleuel und Kurbelwelle nicht beschädigt. Der L-60 war mal ein Kommunal Kfz. und hatte eine Laufleistung von nur 50.000 km.
Der L-60 Motor ist schon gut.

Gruss

27.02.2010 07.44 | Bernd Rathke |
Original von Striegistaler

Gefühlter subjektiver Nebeneffekt, der Motor läuft insgesamt ruhiger(leiser). Aber das kann ich mir auch einbilden.

Vielleicht mussten ja deswegen die L 60 nachträglich mit einem Zusatzschalldämpfer ausgerüstet werden, weil siewegen der Gußkolben zu laut waren?

Bernd

03.03.2010 13.50 | Florian Jänsch |
Zusatzschalldämpfer?
Wo sitzt der denn und wie sieht er aus? Unserer Bj.´87 hatte nur den einen relativ langen Dämpfer (zylindrische Form).
Habe mittlerweile einen anderen dran, hier im "Westen" wahrscheinlich einfacher, da keiner weiß wie das Ding im original aussah...;-)
Der Prüfer fragte nur:" Ist der original?" und auf mein Ja hin, war das Thema gegessen. Wobei die Dämpferleistung (subjektiv) die gleiche ist, und somit es ja auch niemand stören dürfte...
Gruß
Florian

04.03.2010 17.48 | WalterR | Ersatzteilliste Motorreparatur L-60
Hier die komplette Ersatzteilliste Motorreparatur L-60, mit den wichtigen
Bestellnummern und mit Preisen.
Das ist die Liste, nachdem der Motor Crash an einem Zylinder stattgefunden hatte.

Wer jedoch eine vorbeugende Motorreparatur vornehmen will, braucht natürlich keinen Zylinderkopf u. kein Einspritzventil, das spart ordentlich Geld. Der Zylinderkopf ist etwa so teuer wie alle 6 Alukolben. Die anderen Positionen sind nicht so preisintensiv.

Gruss

04.03.2010 18.13 | WalterR | L-60 Motor Ersatzteilliste
Liste

04.03.2010 18.34 | Bernd Rathke |
Die zusatzdämpfer wurden etwas später eingebaut und saßen ca. 15 cm vor den Auspuffende, also schon quer zur Fahrtrichtung im Auspuffrohr, ca. doppelter Auspuffdurchmesser.

Bernd

04.03.2010 19.29 | WalterR |
Frage:
Wie erkennt man 100 % sicher, ob Stahlgusskolben im Motor verbaut sind???
Aufgrund meiner Erfahrungen sage ich, Ölwanne abnehmen und kontrollieren, nur das ist 100 % tig.
Dieser Schritt ist ohnehin nie umsonst, denn bei der Gelegenheit kann man gleich die Mengen an Ölschlamm aus der Ölwanne entfernen und die Siebe reinigen, was sonst keiner macht.
Alle äusseren Anzeichen am L-60 LKW, wie grauer Rauch, können zu einem gewissen Prozentsatz schon in die richtige Richtung führen, wohlgemerkt, wenn alles andere am LKW in Ordnung ist. Damit meine ich speziell das gesamte Kraftstoffsystem.
Begründung: Als mein L-60 neue Alukolben bekommen hatte war anfags alles bestens. Nach einem ¾ Jahr begann der L-60 allmählich von einem Kaltstart zum anderen geringfügig mehr im Standgas “grau” zu qualmen. Wer in diesem Fall auf Stahlgusskolben tippen würde, liegt neben der Spur.
Ich fand das damals nicht lustig und habe die Fehlersuche wie ein Kriminalist betrieben. Meine Vermutung war richtig und den Beweis hat das Düsenabdrückgerät geliefert. Eine Einspritzdüse hatte sich im offenen Zustand durch Verbrennungsrückstände festgefressen und mir das vormals tolle Abgasbild vermasselt. Nach der Erneuerung aller Einspritzdüsen war wieder alles im grünen Bereich.

04.03.2010 21.29 | Bernd Rathke |
hier mal ein link zum bildSchalldämpfer

Bernd

08.03.2010 13.51 | Florian Jänsch |
Ahhh, jetzt ja.....
den hat unserer aber noch nicht, jetzt kann ich mir aber was drunter vorstellen, sieht ja ein bissle aus wie ein Mopped-Auspuff...Bringt der wirklich noch viel an Dämpfung?

Zu der Diagnose ob Alu- oder GGG-Kolben verbaut sind, noch eine Idee:
Ich glaube bei Pollin (Elektroversand ähnlich wie Conrad) habe ich eine Endoskopkammera mit USB Anschluß für´n Laptop gesehen. Glaube für 25Euro. Wenn das Teil dünn genug ist, müsste es durch die Öffnung der Einspritzdüse im Kopf gehen.
Oder einfach Zylkopf ab.
Wenn eingegossene Mulde zu sehen ist, sinds GGG-Kolben
Gruß
Florian

16.04.2010 17.36 | WalterR | L-60 Internet Angebote, Stahlgusskolben
Seit Beginn des Jahres 2010 werden in den verschiedensten Internetportalen mindestens 4 IFA L-60 der Baujahre 1989 mit wenigen Kilometern angeboten, (2 x THW, 1 x Armee, 1 x Feuerwehr).
Worauf will ich beim L-60, Baujahr 1989 mit wenigen Kilometern hinaus.
Das Thema “Stahlgusskolben” kommt, in versteckter Form, automatisch wieder auf den Tisch. Bezüglich der 2 defekten LKW’s bei mobile.de hatte ich mich, aus Interesse, nach den Motor Defekten erkundigt. Die Antwort kam erwartungsgemäss. Die ehemaligen THW Kommunal Kfz. haben Motorschäden, doch was genau defekt ist, war dem Händler angeblich nicht bekannt. Einen Tauschmotor für 5.000,- Euro könnte er gesondert vermitteln. Diese L-60 werden sicher ihre Interessenten finden. Sie sind wegen der geringen Kilometerlaufleistung ideal zur Ersatzteilgewinnung, oder stellen für Fachleute mit Instandsetzungserfahrung kein Problem dar. Für L-60 Neueinsteiger ist das natürlich nicht der richtige Weg, um zum kleinen Preis an einen L-60 zu kommen. Die Folgekosten sind in dem Fall beachtlich und die sollte man speziell beim L-60 nicht aus den Augen verlieren. Ich glaube mitreden zu können, denn ich hatte es praktiziert, in sehr vielen Arbeitsstunden aus einem hässlichen Entlein einen schönen Schwan zu machen. Ich mag den IFA L-60 und lobe ihn auch an dieser Stelle, aber erst wenn er komplett restauriert ist, denn dann hat man ein feines Auto mit dem man viel Freude haben kann.

Zurück zum Thema Stahlgusskolben.
Ich hatte in Beiträgen zuvor zum Motorcrash mit Stahlgusskolben geschrieben, dass sich diese in den “meisten Fällen” mit einem gewissen Material- u. Kostenaufwand mit “Erfolg” wieder instandsetzen lassen. Das war unter den bisher geschilderten Bedingungen auch so in Ordnung.
Weitere Recherchen in Sachen “Stahlgusskolben” brachten neue Informationen, bzw. neue Erkenntnisse, über die hier berichtet werden soll. In den vorherigen Fällen wurde der eingeschrumpfte Stahlring im Kolben, schrittweise in kleinste Einzelteilchen zerlegt, die problemlos über das Abgassystem ins Freie befördert wurden, bis sich dann ein grösseres Teil (ca. 2,0 cm) löste, welches nicht mehr genug Platz zwischen Kolben und Zylinderkopf hatte und den “kleinen Motorkrash” auslöste, wobei nur 1 Zylinderkopf, 1 Kolben und 1 Laufbuchse zerstört wurde, der Rest war okay. Eine Motorreaparatur war in so einem Fall sinnvoll und auch von Erfolg gekrönt, (da auch wenig Kilometer, bis max. 50.000 km).
Übrigens, sind mir L-60 Motor- Laufleistungen (mit Alukolben) bis zu 400.000 km bekannt, jedoch unter der Bedingung mit einem Stammfahrer u. regelmässig durchgeführten Wartungen.

Jetzt ein neuer Fall.
Den nachfolgenden Vorgang möchte ich als den “grossen Motorkrash” bezeichnen, da hier tatsächlich ein Motor Totalschaden entstanden ist.
Hier hat sich einmalig ein “Grossteil” des eingeschrumpften Stahlring’s aus dem Kolben herausgelöst, der absolut keinen Platz zwischen Kolben und Zylinderkopf hatte. Hier soll es, bei der Motorblockade, einen richtigen Kracher und eine kurze Gesamt- Blockade des Antriebsstranges gegeben haben, bis dann wohl die Kupplung betätigt wurde. Der Motor wurde später geöffnet.
Schädensbilanz:
An den Zahnrädern der Stirnräder im Motor hatte die plötzliche Motorblockade einige Zähne der Stirnräder regelrecht abrasiert. Kolben, Pleuel u. Kurbelwelle wurden hier in Mitleidenschaft gezogen. Nach diesem Kracher war der Motor Schrott. Das Risiko einer erfolglosen Motorreparatur ist man nicht eingegangen. Es ist auch unklar, wie weit sich die kurze Gesamtblockade auf den gesamten Antriebsstrang (wie Kupplung, Getriebe, Kardanwellen, Verteilergetriebe, Differentiale, usw.) ausgewirkt hat.
Dieses Ereignis wurde mir von einem L-60 Fahrer berichtet. Ich gebe diese Infomationen, im Zuge des Erfahrungsaustausches, für interessierte Forum’s Mitglieder, hier so weiter.
Mir liegen jedoch dazu keine Bilder u. keine weiteren Detailinformationen vor.

Gruss

17.04.2010 16.32 | WalterR |
Habe noch einige Bilder gefunden, die vielleicht von Interesse sind.

Bild 1: zeigt die demontierten L-60 Motorteile.

Bild 2: zeigt die bereits neu eingesetzten Zylinderlaufbuchsen u. die neuen Alukolben.

Bild 3: zeigt die Reinigung der Metallsiebe (Ölwanne). Die Siebe enthielten reichlich Ölschlamm und Metallabrieb.
Diesen Schritt kann ich an dieser Stelle nur jedem L-60 Besitzer empfehlen, um den Ölschlamm zu entfernen. Die Ölwanne ist leicht demontiert, gereinigt und wieder montiert. Eine neue Ölwannendichtung kostet ca. 20,- Euro. Ihr kennt das ja, durch den vorhandenen Ölschlamm bekommt man weniger frisches Öl auf den Motor aufgefüllt und die Öl- Wärmeabfuhr leidet auch darunter.

17.04.2010 16.40 | WalterR |
Bild 4: demontierte Ölwanne.

Bild 5: die neuen Alukolben.

Bild 6: Vergleichsfoto,
vorn die neuen Alukolben, dahinter die alten Stahlgusskolben.

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